Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1498 - João de Barros
Vasco da Gama in Mombasa
Kenia

Sie kamen am 7. April, am Vorabend des Palmsonntags, in den Hafen einer Stadt namens Mombasa, in der, wie der Maure sagte, abessinische und indische Christen sein sollten, weil sie an allen Waren Überfluss hätte. Die Lage dieser Stadt war durch eine Meerenge begrenzt, welche das Land umschloss und zwei Mündungen bildete, so dass sie wie eine Insel anzusehen und den Unsern so versteckt war, dass sie sie nicht eher zu Gesicht bekamen, als bis sie in die Mündung des Hafens einliefen. Als die Stadt hervortrat, nahm sie sich so hübsch aus, weil die Häuser von Stein und Kalk und mit Fenstern und platten Dächern nach spanischer Weise versehen waren, und sie auf einer Fläche lag, welche offene Aussicht nach dem Meere gestattete, dass die Unsern schier meinten, sie führen in einen Hafen dieses Reiches ein. Aber obwohl ihr Anblick entzückte, so gestattete Vasco da Gamma doch nicht, dass der Lotse die Schiffe hineinführte, wie der wollte, da er ihn bereits im Verdacht hatte, sondern ging außen vor Anker. Die von der Stadt schickten, so wie sie der Schiffe ansichtig wurden, sogleich in einer Barke vier Männer, die nach ihren stattlichen Anzügen von den Vornehmen schienen und an Bord angelangt fragten, was für Leute sie wären und was sie suchten? Worauf Vasco da Gama antworten ließ, indem er sagte, wer sie wären und welchen Weg sie machten und wie sie einige Lebensmittel brauchten. Die Mauren trennten sich von ihnen, nachdem sie das Vergnügen, das sie über ihre Ankunft empfänden, und das der König von Mombasa empfinden würde, mit Worten ausgedrückt und ihnen alles zu ihrer Reise Erforderliche angeboten; worauf sie auch nicht lange mit dem Bescheid warten ließen, indem sie berichteten, sie hätten dem Könige zu wissen getan, wer sie wären, weshalb er sich über ihre Ankunft sehr gefreut; und was die Dinge betreffe, die sie nötig hätten, so würde er sie ihnen mit bestem Willen zukommen lassen, wie auch eine Ladung Gewürz, wovon er viel habe. Doch müsse er, um diese Dinge zu erhalten, in die Tiefe des Hafens einlaufen, wie nach dem Gesetz der Stadt der Brauch aller Schiffe sei, welche etwas von ihr wollten; und die, welche es nicht täten, würden für verdächtiges Volk von böswilliger Absicht gehalten, deren es einige an dieser Küste gebe, und welche die Seinen vielmals mit gewaffneter Hand fortjagten, was auch ihnen widerfahren könne, wenn sie nicht hereinführen. Und er sende ihnen diese Kunde als fremdem Volke, die nun die Wahl hätten, entweder in den Hafen einzulaufen und zu empfangen, was sie verlangten, oder weiter zu segeln. Vasco da Gama nahm, um den Verdacht, den man gegen ihn hegen könnte, zu beschwichtigen, die Einfahrt weiter hinein auf den folgenden Tag an, und bat diejenigen, welche diese Botschaft überbrachten, sie möchten ihm, wenn es Zeit sei, einen Lotsen senden, um ihn hineinzuführen. Und obschon man wohl Acht hatte, dass der Lotse von Mozambique nicht insgeheim mit ihnen spräche, außer vor Fernão Martinez, dem Dolmetscher, so wusste er ihnen doch auf irgendeine Weise beizubringen, was er mit den Unsrigen erlebt; eine Nachricht, von der die Mauren nichts merken ließen und sich wie Leute, die mit der Aufnahme, die ihnen Vasco da Gama hatte angedeihen lassen und den Geschenken, die sie erhalten, zufrieden waren, entfernten.
    Da am folgenden Tag ein Boot mit einigen angesehenen Mauren wie zum Besuch an Bord kam, schickte er mit ihnen zwei Mann zurück, um dem Könige ein Geschenk zu überbringen und ihn zu entschuldigen, dass er binnen dieser zwei Tage nicht einlaufen könne, weil sie bei den Christen Festtage seien, an denen man keine Arbeit verrichte, indem sie zu Ostern gehörten; seine Absicht war jedoch, den Zustand der Stadt und der Bevölkerung und welche Schiffe dort liegen möchten, durch diese Leute erkunden zu lassen. Die Mauren, ob sie nun die List durchschauten, oder weil sie immer mit Vorsicht in Werke gehen, nahmen zwar diese Leute mit und stellten sich erfreut, solches zu tun, allein sie wurden immer bei der Hand geführt, und bemerkten nur im Vorbeigehen, was sich ihren Blicken darbot, nämlich die Menge Volkes, das herzuströmte, sie zu sehn, und die stolze Pracht der Paläste des Königs und die Art, wie er sie empfing. Vasco da Gama ließ die zwei Tage verstreichen, um keinen schlimmen Verdacht zu erwecken, und als der dritte anbrach, auf den er seine Einfahrt festgesetzt, kamen viele Barken mit festlich gekleideten Leuten und Instrumenten aus der Stadt, und sie stellten sich, als kämen sie ihm zu Ehren in diesem feierlichen Aufzug, und verteilten sich um die Schiffe. Und da Vasco da Gama und die andern Kapitäne unter sich ausgemacht hatten, während sie die Einfahrt bewerkstelligten, nicht mehr als zehn oder zwölf Personen auf die Schiffe zu lassen, so wiesen sie die Menge zurück und sagten, sie hinderten die Leitung des Schiffes und sie hätten noch später in der Stadt Zeit, sie zu sehen. Unterdes gab Vasco da Gama das Zeichen und befahl die Segel zur großen Freude aller loszumachen, der Mauren, weil sie glaubten, die gewünschte Beute zu haben, und die Unsern, weil sie meinten, das Ende ihrer Beschwerden erreicht zu haben, da sie so stattliche Leute und die Nachrichten, die sie ihnen von Indien erteilt, gefunden; während sie doch zu derselben Stunde in Gefahr waren, nach der Absicht derer, mit denen sie zusammen waren, das Leben zu verlieren. Aber Gott, in dessen Händen auf dieser in seinem Dienst unternommenen Fahrt ihre Behütung lag, erlaubte nicht, dass der Anschlag der Mauren zur Ausführung käme, denn er befreite sie auf eine fast wunderbare Weise, indem er die Absichten jener auf folgende Art enthüllte. Da das Schiff des Vasco da Gama dem Steuer nicht gehorchen wollte, weil es Wind gefangen, so begann es gegen eine Sandbank abzutreiben, und er, welcher die Gefahr sah, befahl mit lautem Rufe, man solle einen Anker auswerfen. Und wie dieses nach dem Gebrauche der Seelente in jener Zeit nicht geschehen konnte, ohne dass sie über das ganze Schiff, von einem Ende zum andern, nach der Schiffswinde liefen, so dass die Mauren, die sich auf den andern Schiffen befanden und diesen Aufruhr sahen, auf den Gedanken kamen, der Anschlag, den sie im Schilde führten, sei entdeckt, sprangen sie alle wild durcheinander in die Barken. Die auf dem Schiffe des Vasco da Gama taten, als sie sahen, was jene begannen, desgleichen, selbst der Lotse von Mozambique sprang von dem Hinterkastell in das Meer, so groß war der Schrecken aller. Als nun Vasco da Gama und die andern Kapitäne dieses plötzliche unerwartete Ereignis sahen, öffnete ihnen Gott die Augen, so dass sie dessen Grund erkannten; und sie beschlossen, ohne weiteren Verzug längs der Küste weiter zu segeln, weil sie schon wussten, dass sie sehr bevölkert sei und Maurenschiffen begegnen würden, von denen sie einen Lotsen erhalten könnten. Die Mauren, welche wohl sahen, was sie tun wollten, kamen sogleich in dieser Nacht mit verhüllten Rudern, um die Ankertaue des Schiffes zu kappen, aber ihre Tücke hatte, da sie bemerkt wurde, keinen Erfolg. Vasco da Gama verließ nun diesen gefährlichen Ort.

Feust, E. (Hg.)
Die Asia des João de Barros
Nürnberg 1844

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