Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1672 - Johann Christian Hoffmann, Prediger auf einem holländischen Ostindienfahrer
Keine Sklaven erhältlich in Mozambique

 

Den 22. Juli unter Seegel und kamen ungefehr gegen den Mittag bey Monsambicque recht vor die Insul vor Ancker zu liegen, wo wir die schöne Vestung der Portugiesen und die daran liegende Stadt, so mit dem Land einen gleichen Nahmen führet, gantz eigentlich sehen könten. Im Monsambicquischen Hafen funden wir bey unser Ankunfft ein groß Portugiesisches Schiff mit 1100 Seelen, wie man sagte, bemant, neben etlichen Kleinern, so alle mit Reiß, Helffenbein und dergleichen Gütern wohlbeladen waren.
   So bald wir vor Ancker lagen, liesen wir nach beschehenen dreyen Ehr-Schössen, die Chiou (ist ein gewöhnlich Zeichen derer See-Leuthe, und nichts anders alß eine zusammengerolte Flagge oder Fahne, womit andern angezeiget wird, daß man etwas begehre) vom Hinter-Schiff herab wehen, worauff dann stracks drey Herren vom Lande in ihren Nachen zu uns umb unser Begehren zu wissen, kamen. Einer von gemelten Herren schien was Vornehmes zu seyn, dann er nicht nur prächtig gekleidet, sondern auch mit einer achtreigigen güldnen Kette geschmucket war; sonst waren sie ziemlich langer statur, mager gelblichbraun von Gesichte und ziemlich ungesund anzusehen. Ihre Diener waren Mohren, meistentheils der Mahometischen Religion ergeben und zugethan.
   Des andern Tages sandte uns der Vice-Roy zur Verehrung vom Lande 2 Schweine, 2 Schaafe, 40 Hühner, 200 Cocosnüsse, wie nicht weniger eine große Anzahl Citronen, Pomerantzen, Granatäpffel, Oliven, Piesang, Batattas, (eine länglichte Wurtzel, so zuweilen mit Fleisch gekocht, zuweiln auch in der Asche gebraten dem Esser einen viel lieblichem Geschmack alß unsere Erdäpffel gibt und bey vielen an statt Brods gessen wird) und ein gut theil Weißbrod, das so schön weiß und lose war, daß Ich mit Warheit sagen kan, dergleichen nie in Teutschland gesehen zu haben.
   Ob wohl zwar Monsambicque eigentlich ein festes Land und wie gesagt ein Theil Africae ist, so auff 15 Graden Suydlicher Polus-Höhe lieget, so ist doch der Platz, worauff die Fortres und Stadt stehen, eine kleine Insul so etwa eine halbe Meyle in ihrer Runde verfasset, und ungefehr eine Meyl vom festen Land liegt, von welchem festen Lande und dem daran gräntzenden Soffola die Portugiesen grosse Infraden und unschätzbare Reichthüme, mehrentheils in Gold (so da theils gegraben, theils an den Reviren gefunden wird) Helffenbein und Ambra (den die See hiesiges Orths außwirfft) bestehend, jährlich nach sich ziehen.
   Die Stadt, so mit zweyen Klöstern, davon eines den Jesuitern, das andere den Dominicanern gehörig, pranget, schiene zwar prächtig und mit steinern Gebäuen auffgebauet gewesen zu seyn, war aber vor zweyen Jahren durch die Araber von Masquatta greulich verwüstet und beraubet. Das Casteel aber, so auß dem Wasser mit lauter Quater-Stücken auffgebauet, war noch unbeschädigt, und von vielen Verständigen vor unwindbahr geschätzet, zumaln es mit allem, was zu einer Vestung erfordert wird, mehr dann überflüssig versehen war.
   Unsere Reise schien beynahe vergeblich gethan zu seyn, weil wir von den Portugiesen keine Sclaven, deren Sie ihrem Vorgeben nach, zu Auffbauung ihrer Stadt, höchstens benöthigt, bekommen konten, warumb wir unsere Wahren ihnen gegen Ambra, Gold und Helffenbein überliessen und alles zur Wegreise verfertigten.
   Am 27 dito, begab Ich mich an Land und besahe die Fortress, wie auch das Jesuiter Collegium, welches Letztere ziemlich verbrand auszsahe. Im Casteel lagen, wie man mir beybrachte, mehr dann 2000 Elephanten Zähne, so auß denen Portugisischen Schiffen an Land bracht waren; je einer grösser alß der andere, die Ich gleichsam mit erstaunen und höchster Verwunderung ansähe, von denen wir eine ziemliche Quantität an unser Schiff bekamen, und unter allen einen, welcher 8 Werckschuh lang, 2 1/3 dicke und 125 Pfund schwer war, ingleichen brachte man auch zu Schiffe ein paar rahren Feldhüner von Grösse, den grossen Haushüner gleich, diese hatten gelbe Hörner auffm Kopffe und ein blau Zeichen umb den Halß, im übrigen waren sie über den gantzen Leib schwartz, mit Erbs-weissen Sprinckeln besprenget und, mit einem Wort, gantz seltzam an zu sehen.
Biß auff den 1. Augusti hatten wir uns alhier verweylet, alß wir wieder unter Seegel giengen.

 

Hoffmann, Johann Christian
Reise nach dem Kaplande, nach Mauritius und nach Java 1671-1676
Kassel 1680; Neuausgabe Haag 1931

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