Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

31 v. Chr. - Plutarch
Die Seeschlacht bei Actium: Antonius und Kleopatra verlieren
Preveza, Griechenland

 

Als der Beschluß gefasst war, eine Seeschlacht zu liefern, verbrannte Antonius alle übrigen Schiffe, die ägyptischen bis auf sechzig, dann bemannte er die besten und schnellsten von der Triere an bis um Zehnruderer hinauf, indem er 20.000 Schwerbewaffnete und 2.000 Bogenschützen einsteigen ließ. Da soll ein braver Soldat zu Fuß aus der Zahl der Centurionen, der für Antonius gar manchen Kampf gekämpft und sich in seinem Dienst aufgerieben hatte, als Antonius vorüberging, laut aufgeschrien und gesagt haben: »O Imperator, traust du diesen Wunden und diesem Schwert nicht mehr, daß du auf falsches Holz deine Hoffnungen setztest? Laß die Ägypter und die Phoiniken zu Wasser kämpfen, uns aber gib das Land, auf dem wir gewohnt sind zu stehen und entweder zu sterben oder den Feind zu besiegen!« Antonius antwortete hierauf nichts, sondern forderte den Mann nur durch Hand und Miene auf, guten Mutes zu sein und ging dann weiter. Er hatte selbst nur schwache Hoffnung. Gleichwohl befahl der den Steuermännern, welche die Segel zurücklassen wollten, diese hineinzuwerfen und mitzunehmen, indem er sagte, es dürfe keiner der Feinde sich durch Flucht retten.
    Diesen Tag nun und die drei nächsten kam es wegen eines heftigen Sturmes, welcher das Meer peitschte, nicht zur Schlacht, am fünften Tag schritten sie, der Wind hatte sich gelegt und das Meer war eben wie ein Spiegel, zum Kampfe. Antonius und Publicola hatten den rechten Flügel inne, Coelius den linken; in der Mitte befehligten Marcus Octavius und Arcus Injestus. Caesar hatte den linken Flügel Agrippa, das Zentrum dem Arruntios anvertraut und für sich selbst den rechten Flügel behalten. Die Landheere standen, das des Antonius unter Canidius, das des Caesar unter Taurus, in Schlachtordnung aufgestellt ruhig am Ufer.
    Was die Anführer selber betrifft, so fuhr Antonius auf einem Ruderboot von Schiff zu Schiff, ermahnte die Soldaten, bei der Schwere der Schiffe feststehend wie auf festem Land zu kämpfen, und gebot den Steuermännern, mit ihren Schiffen ruhig liegen zu bleiben und nur die Angriffe der Feinde zurückzuschlagen, indem sie vor den örtlichen Schwierigkeiten an der Mündung auf ihrer Hut wären. Caesar ritt noch in der Dunkelheit von seinem Zelt aus ringsum zu den Schiffen; da, heißt es, begegnete ihm ein Mann, der einen Esel trieb. Als er nach seinem Namen fragte, erkannte dieser ihn und sagte: »Mein Name ist Eutychos und mein Esel heißt Nikon.« Als er daher später den Ort mit den Schiffsschnäbeln schmückte, errichtete er einen Esel und einen Mann von Erz. Er fuhr dann in einem Fahrzeug weiter nach dem rechten Flügel und besichtigte die übrige Schlachtlinie. Zu seinem Erstaunen sah er Feinde in der Meerenge ruhig bleiben; denn der Anblick der Schiffe war, als ob sie vor Anker lägen. Bei diesem Glauben blieb er lange Zeit und hielt daher seine eigenen Schiffe etwa acht Stadien von den Feinden entfernt zurück. Es war die sechste Stunde, und es erhob sich eben ein frischer Seewind, als die Leute des Antonius, ungeduldig über den Verzug und auf die Höhe und Größe ihrer eigenen Schiffe vertrauend, den linken Flügel in Bewegung setzten. Caesar [Augustus] freute sich als er das sah und ging mit seinem rechten Flügel rückwärts, um die Feinde noch weiter aus dem Meerbusen und der Meerenge herauszuziehen, dann mit seinen eigenen leichtbeweglichen Schiffen herumzusegeln und mit Schiffen handgemein zu werden, welche wegen ihrer Massenhaftigkeit und der geringen Zahl der Bemannung schwerfällig und unbeholfen waren.
    Als man nun anfing im Kampf handgemein zu werden, suchte man die feindlichen Schiffe nicht zu durchbohren und leck zu machen: Denn den Schiffen des Antonius fehlte es wegen ihrer Schwere an Schwung, welcher die Stöße mit dem Schiffsschnabel besonders wirksam macht; die des Caesar aber hüteten sich nicht bloß, ihnen Schnabel gegen Schnabel zu begegnen wegen des massiven und scharfen Erzbeschlages, mit dem sie versehen waren, sondern wagten selbst nicht einmal ihren Stoß gegen die Seiten der Schiffe zu richten. Denn die Schnäbel wurden leicht abgestoßen, wenn sie auf Fahrzeuge stießen, bei denen große viereckige Blöcke durch Eisen dicht miteinander verbunden waren. Der Kampf war daher einer Landschlacht oder, richtiger gesagt, dem Sturm auf eine Mauer ähnlich. Denn drei oder vier hängten sich an ein Schiff des Antonius und griffen dies mit Speeren, Lanzen, Stangen und Brandpfeilen an, wogegen die Leute des Antonius sogar aus Katapulten von hölzernen Türmen herab schossen.
    Als hierauf Agrippa den einen Flügel ausdehnte, um den Feind zu umzingeln und Publicola sich genötigt sah, seinerseits die gleiche Bewegung zu machen, entstand zwischen ihm und dem Zentrum eine Lücke, worauf ein Schiff ins Gedränge kam und mit denen unter Antonius zusammengeriet. Immer aber stand die Seeschlacht noch unentschieden und gleich, als plötzlich vor aller Augen die sechzig Schiffe der Kleopatra die Segel aufzogen und mitten zwischen den Kämpfenden hindurch die Flucht ergriffen. Sie hatten nämlich hinter den großen Schiffen gestanden. Durch ihr Hindurchbrechen erregten sie unter den Ihrigen Bestürzung, die Feinde aber sahen es mit Verwunderung an, wie sie mit vollen Segeln dahinfuhren und ihren Kurs nach der Peloponnes nahmen.
    Hier nun bewies Antonius deutlich, daß er sich weder von den Gedanken eines Feldherrn noch von denen eines Mannes, ja überhaupt nicht von eigenen Gedanken leiten ließ. Vielmehr, wie jemand scherzend gesagt hat, die Seele des Liebenden lebe in einem anderen Körper, ließ er sich von dem Weibe fortreißen, als ob er mit ihr zusammengewachsen wäre und jeder ihrer Bewegungen folgen müßte. Denn sobald er ihr Schiff hatte davonsegeln sehen, bestieg er, alles vergessend und diejenigen, die für ihn kämpften, verlassend und verratend, nur von dem Syrer Alexas und Skelios begleitet, einen Fünfruderer und eilte derjenigen nach, die ihn bereits zugrunde gerichtet hatte und noch weiter zugrunde richten sollte.

 

Plutarch’s Werke
Übersetzt von J.F.C. Campe
Stuttgart 1859

Reiseliteratur weltweit - Geschichten rund um den Globus. Erlebtes und Überliefertes aus allen Teilen der Welt. Entdecker – Forscher – Abenteurer. Augenzeugenberichte aus drei Jahrtausenden. Die Sammlung wird laufend erweitert – Lesen Sie mal wieder rein!