Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1672 - Johann Christian Hoffmann, Prediger auf einem holländischen Ostindienfahrer

Verschollen auf Madagaskar

 

Wir giengen mit dem Boot an Land, da wir noch etwa ein Mußqueten-Schuß vom Strande waren, lieff einer von denen, so am Strande stunden, ins Wasser biß an die Waden, nahm beyde seine Hände voll Wasser und ließ es über sein Angesicht herab fliessen, worauf die übrigen am Meer stehende Völcker ihre Hände weinend empor hüben, welche wunderseltzame Ceremonien wir vor ein Zeichen hielten, alsßob sie sich vor uns fürchteten, und umb Gnade bathen.
   Unterdessen kamen einige Abgesandten von einem Könige des Reviers Quale [Vermutlich ein Malaismus von Kuala: Mündung eines Flusses] an unser Schiff, so uns im Nahmen ihres Königes berichteten, daß Er so viel Sclaven, alß wir begehreten, wie auch Proviant vor dieselbige umb einen geringen Preiß verhandeln wolle, gleichwie uns nun diß eine angenehme Zeitung war, also wurde unser Ober-Kauffmann, Johann Niehoff, ein alter erfahrner Mann, zu obgedachter Sclaven-Handlunge mit dem Schiff, der Böoge genannt, und einem ziemlichen Antheil Nürenbergischer Wahren, wogegen sie eingekauft werden solten, eyligst abgefertiget. Wir indessen blieben (weil wegen des Wassers Untiefe wir dahin mit unserm Schiffe, so grösser alß der Boge war, und daher mehr Wassers unter sich erforderte, nicht kommen konten) alhier vor Ancker liegen und erwarteten ehestes ein Schiff voll eingekauffter Sclaven, verlohren aber zu unserm grossen Schmertzen mehr, als wir bekamen; dann nach einiger Tage verlauff kam oft gedachter Boge wieder, der uns denn keine Sclaven, sondern eine traurige Zeitung brachte, daß nemblich oberwehnter Herr Johann Niehoff, so bald das Schiff vor Quale gearriviret, von noch fünff Holländer und einem Schwartzen Dollmetscher begleitet, mit einem Nachen voller Wahren seiner ordre gemäß naher Land geschiffet, wären aber ungeachtet sie 3 gantzer Tage ihrer erwartet, nicht wieder kommen, hätten auch von der Zeit ab Niemand am Strande vernehmen können, woraus nichts gewissers zu schliessen, dann daß sie von denen wilden Heyden, bevorab weil sie fast ohne Wafen gewesen, und darzu mit vielen Gütern, warumb die Wilden wohl was anders thun selten, an Land gangen waren, jämmerlich ermordet seyn müsten. Ob nun wohl diese unerwartete Post uns sehr wehe thät, so schmertzete uns nicht hefftigers, als dieses: daß man sich an diesen boßhafftigen Völckern nicht rächen konte, doch fertigte man hierauff nach vorgegangener Raths-Versammlung den Bogen mit unserm Chialoup wiederumb in geschwindester Eyl ab und dahinwerts, umb einige gewisse Zeichen des vermeynten beschehenen Mords, müglichsten Fleisses zu erforschen, haben aber seithero sowohl von unserm verlohrnen Volcke, alß außgesanden Kundschafftern nicht das Geringste weder gesehen noch gehöret.
   Nach diesem unserm erbärmlichen Verlust und deren Kundschaffter Abfertigung resolvireten wir uns unsere Seereise naher Mauritius zu beschleunigen.

 

Hoffmann, Johann Christian
Reise nach dem Kaplande, nach Mauritius und nach Java 1671-1676
Kassel 1680; Neuausgabe Haag 1931

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