Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1184 - Ibn Gubair
Die Stadt Akkon (Akka) unter den Kreuzfahrern

 

Montags (17 Sept.) campierten wir bei einem von den Dörfern Akkas in der Entfernung einer Farsange [Wegstunde] davon. Der dortige Gemeindevorsteher, ein Muslim, war seitens der Freng [Franken] über die muslimischen Bauern gesetzt. Er nahm die Karawane gastfreundlich auf, setzte ihnen alle Sorten Speisen vor und zeigte an allen Mitgliedern seinen Edelmuth; wir wohnten dem Gastmahl bei und verbrachten hier die Nacht, um andern Tages, den 18ten des Monats, den 18ten Satanbir, nach der Stadt Akka, Gott vernichte sie, zu gelangen. Man brachte uns in ein zur Aufnahme der Karawanen bestimmtes Gebäude, vor dessen Eingange bedeckte Steinbänke lagen. Dort waren die christlichen Schreiber mit Schreibzeug von vergoldetem und verziertem Ebenholz; ihre Sprache und Correspondenz war arabisch, der Vorsteher ist der Herr des Divan, und der Verantwortliche hat den Titel Sahib, ein Titel, der ihm wegen seiner hohen Stellung zukommt; sie bezeichnen damit jeden angesehenen Mann, der nicht Soldat ist; alles, was zu ihnen kommt, wird zu dem Verantwortlichen gebracht, der hier über vieles Geld verfügt; die Kaufleute nehmen die Lasten ab und setzen sich ober ihm nieder, dann ruft ein Mann: „wer keine Ware bei sich hat, der entferne sich, damit er sich nicht unvermerkt solche aneigne"; ein solcher geht dann seines Weges, wohin er will; dieses geht ganz gemütlich vor sich, ohne Gewalt und Überstürzung. Wir campierten hier in einer Wohnung, welche wir von einer Christin gegenüber der See gemietet hatten, erflehten von Gott beste Errettung und Wohlfahrt.
   Akka, Gott vernichte und bringe sie zurück, ist die erste der fränkischen Städte in Sam, der Landungsplatz der Schiffe, mit Bezug auf ihre Wichtigkeit wird sie Kustantinija [Konstantinopel] gleichgehalten, der Sammelplatz der Schiffe und Reisenden von allen Richtungen; in ihren Strassen wogt das Gedränge so, dass man sich kaum hindurch arbeiten kann; sie ist voll Unglauben und Heidentum, es wimmelt von Schweinen und Kreuzen, von Schmutz und Unrat, alles ist unstetig und ekelerregend. Die Freng hatten sie im ersten Decennium des sechsten Jahrhunderts [um 1210] an sich gebracht, der Islam weinte über ihren Verlust, es war ein harter Schlag für ihn; die Moscheen waren in Kirchen umgewandelt, die Mönchsklöster in Glockentürme. Gott reinigte von ihren Moscheen eine kleine, welche in der Hand der Muslime verblieb, und wo die Fremden das pflichtgemässe Freitagsgebet verrichteten, dort im Mihrab befand sich das Grab des Propheten Salih; diesen Platz schützte Allah von dem Schmutze des Unglaubens durch den Segen über dem heiligen Grabe. Im östlichen Stadtviertel befand sich die sogenannte Ochsenquelle, aus der Gott dem Adam eine Kuh heraugezogen hatte, und zu der man auf niedrigen Treppen hinabstieg; über ihr war eine Moschee gebaut, deren Mihrab sich noch im alten Zustande erhalten hat; an der Ostseite davon hatten die Freng ebenfalls ihren Mihrab (Altar) angebracht, und der Muslim wie der Ungläubige kamen dort zusammen und nahmen die Kibla, ein jeder nach seiner Musalla, die Freng hielten die ihrige in grossen Ehren.

 

Goergens, Ernst Peter
Arabische Quellenbeiträge zur Geschichte der Kreuzzüge
Band 1, Berlin 1879; Nachdruck 1975

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