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Geschichten rund um den Globus

1521 - Antonio Pigafetta
Mit Magellan auf den Philippinen: Cebu (Zubuth)

 

Am 7. April um Mittag segelten wir in den Hafen von Zubuth [Cebu] und näherten uns der Stadt, indem wir an vielen Häusern und Wohnungen, die auf Bäumen angelegt waren, vorbeifuhren.
    Hier befahl der Kapitän, daß wir die Segel einziehen und uns in Schlachtordnung aufstellen sollten, zugleich ließ er die ganze Artillerie abfeuern, was allen Einwohnern einen großen Schrecken einjagte.
    Alsdann sandte der Kapitän einen Abgesandten mit dem Dolmetscher an den König von Zubuth. Als sie in die Stadt kamen, fanden sie ihn in einer Menge seiner Leute, sehr über das Geräusch der Kanonen erschrocken. Der Dolmetscher gab ihnen jetzt zu verstehen, daß es bei uns üblich wäre, wenn wir an einen fremden Ort kämen, zum Zeichen der Freundschaft und dem König der Stadt zu Ehren die Kanonen zu lösen. Diese Rede machte dem König und den Seinen wieder Mut, der Dolmetscher fuhr also fort ihm zu sagen, daß sein Herr Befehlshaber der Flotten des größten Königs der Welt wäre, der sie ausgesandt habe, die Molukkischen Inseln zu entdecken, und da sie von dem König von Messana seinen großen Ruf vernommen hätten, wären sie gekommen, ihn zu besuchen und Lebensmittel für ihre Waren einzutauschen. Der König antwortete, sie sollten ihm willkommen sein, daß man aber an diesem Ort die Gewohnheit hätte, von allen Schiffen, die in diesen Hafen kämen, Tribut zu fordern, und daß erst vor wenigen Tagen ein Schiff, mit Gold und Sklaven beladen, diesen Tribut bezahlt hätte. Zum Beweis ließ er einige Kaufleute von diesem Schiff vor sich kommen. Hierauf erwiderte der Dolmetscher, daß sein Herr der Befehlshaber eines so großen Königs sei, der keinen Herren auf der Welt Tribut bezahle, und wenn sie gesonnen seien, Frieden zu halten, so sollte Friede zwischen ihnen sein, würden sie aber Krieg wählen, so wären wir auch dazu bereit. Als sie das hörten, sagte einer von den Kaufleuten, der ein Maure oder Mohammedaner war, dem König »Catacaia Chita«, was bedeutet, sieh Herr, dies ist einer von denen, die Calicut, Malakka und das ganze Indien erobert haben, wer sie freundlich aufnimmt, dem geht es gut, wer ihnen aber übel begegnet, dem geht es sehr schlimm, noch weit ärger als Calicut und Malakka. Darauf antwortete der Dolmetscher, daß der König weit mächtiger an Leuten und Schiffen sei als der König von Portugal, daß der König von Spanien zugleich Kaiser der ganzen Christenheit sei, und wenn er nicht sein Freund sein wollte, so würde er ihm ein andermal eine so große Menge Volks entgegenschicken, die ihn ganz zugrunde richten würde. Diese ganze Rede erzählte der Maure dem König wieder, welcher darauf erwiderte, er würde es überlegen und am folgenden Tag eine Antwort geben. Dann wurden viel Speisen in Porzellangefäßen aufgetragen nebst einer großen Menge Wein. Als das Gastmahl zu Ende war, nahmen unsere Leute Abschied und hinterbrachten alles dem König von Messana, der bei diesem König in großem Ansehen stand und Herr von vielen Inseln war. Der entschloß sich darauf an Land zu gehen, wo er dem König von Zubuth von der großen Freundlichkeit und Gefälligkeit unseres Anführers berichtete.
   Am folgenden Montag wurde der Abgesandte des Kapitäns nebst dem Dolmetscher wieder zum König geschickt, den sie mit vielen Großen auf dem Markt erblickten. Sobald er die Unsrigen sah, ließ er sie neben sich setzen und fragte, ob in dieser Gesellschaft mehr als ein Kapitän sei, und ob sie verlangten, daß er dem Kaiser Tribut bezahlen solle? Die Unsrigen antworteten, daß sie nichts verlangten als nur mit ihnen zu handeln, das hieße, unsere Waren gegen ihre zu tauschen, weiter wollten sie gar nichts. Damit, sagte der König, sei er zufrieden, und wenn der Kapitän sein Freund sein wollte, würde er ihm etwas Blut aus seinem rechten Arm schicken, und dasselbe sollte der Kapitän zum Zeichen der Freundschaft tun, was wir versprachen. Dann, fuhr er fort, wäre es üblich, daß er und alle Kapitäne, die an diesen Ort kämen, sich gegenseitig beschenkten, und ob er oder unser Kapitän den Anfang machen sollte? Der Dolmetscher antwortete hierauf, da er zu wünschen schien diese Gewohnheit beizubehalten, könne er anfangen, und das tat er auch.
    Am folgenden Dienstag kam der König von Messana mit dem oft erwähnten Mohren an das Schiff und brachte einen Gruß vom König von Zubuth an den Kapitän. Er ließ ihm sagen, daß er so viele Lebensmittel zusammengebracht habe wie möglich, um ihm damit ein Geschenk zu machen, und nach Tisch würde er seinen Neffen mit drei seiner vornehmsten Untertanen senden, um dieses Freundschaftszeichen zu überbringen. Der Kapitän ließ hierauf einen von seinen Leuten völlig bewaffnen und dem König sagen, daß im Krieg alle so ausgerüstet würden. Als der Mohr dies sah, erschrak er sehr, der Kapitän sagte ihm aber, er solle sich nicht fürchten, denn unsere Waffen wären unschädlich gegen unsere Freunde, aber furchtbar für unsere Feinde und vernichteten alle, die sich unserem Glauben widersetzten, und dies sagte er darum, daß der Mohr, der verschlagener und listiger als die anderen schien, es dem König hinterbringen möchte.
    Nach Tisch kam der Neffe des Königs mit dem König von Messana, dem Mohren, und acht von den vornehmsten Insulanern, um den Freundschaftsbund zu schließen. Der Prinz setzte sich auf einen mit rotem Samt bedeckten Sessel, die andern auf Stühle, und die übrigen auf Matten. Der Kapitän ließ sie fragen, ob es bei ihnen üblich sei, öffentlich oder insgeheim zu sprechen, und ob der Prinz und der König von Messana Vollmacht hätten, einen Friedensbund zu schließen? Dann sagte der Kapitän noch viele über diesen Frieden, unter anderem, daß er Gott bäte, ihn im Himmel zu bestätigen. Dies machte den Indianern große Freude, sie versicherten, sie hätten dergleichen Worte in ihrem Leben nicht gehört. Da der Kapitän bemerkte, daß sie ihm gern zuhörten, fing er an, ihnen vieles von unserem Glauben zu erzählen, und fragte sie dann, wer nach dem Tode des Königs in der Regierung folgte. Sie antworteten ihm, der König hätte keine Söhne, sondern lauter Töchter, und daß sein Neffe seine älteste Tochter zum Weibe habe, weswegen man ihn den Erbprinzen nenne, und es wäre bei ihnen üblich, wenn Vater und Mutter alt würden, sie nicht länger in Ehren zu halten, und dann herrschten die Jungen. Der Kapitän erwiderte darauf, daß Gott Himmel und Erde und das Meer und alle Dinge gemacht und daß er befohlen habe, Vater und Mutter zu ehren, und wer das nicht täte, würde zum ewigen Feuer verdammt werden. Er sagte ihnen auch, daß wir alle von Adam und Eve, unseren ersten Eltern, abstammten, daß unsere Seele unsterblich sei, und viele andere zu unserer Religion gehörige Punkte. Als das alles die Fremden mit großer Aufmerksamkeit gehört hatten, waren sie sehr froh und baten ihn, daß er zwei oder wenigstens einen seiner Leute bei ihnen lassen möchte, um sie in unserem Glauben zu unterrichten, und daß sie diesen Zurückgelassenen alle Ehre erweisen würden. Der Kapitän antwortete ihnen aber, daß er keinen zurücklassen könne, wollten sie aber Christen werden, so sollte ihnen einer von unseren Priestern sie taufen, und ein andermal würde er Priester und andere Geistliche mitbringen, sie im Glauben zu unterrichten. Sie sagten, sie wollten hierüber mit dem König reden und dann Christen werden. Ihre Freude hierüber war so groß, daß man die Tränen aus ihren Augen rollen sah. Dann ermahnte sie der Kapitän noch, sich nicht aus Furcht oder ihm zu Gefallen zur christlichen Religion zu bekennen, sondern aus freiem Willen, und daß sie denen kein Leid zufügen sollten, die noch bei ihrem alten Glauben bleiben wollten. Sie müßten sich als Christen bemühen, besser und liebreicher als die übrigen zu sein. Hierauf riefen sie alle mit einer Stimme, daß sie nicht aus Furcht oder ihm zu Gefallen Christen würden, sondern aus freiem Willen. Es wurde ihnen auch gesagt, daß wir ihnen, sobald sie Christen wären, eine von unseren Waffenrüstungen lassen würden, weil der Kaiser solches befohlen hätte. Auch könnten sie sich in Zukunft nicht mit heidnischen Weibern vermischen, ohne eine schwere Sünde zu begehen, und außerdem versicherte man ihnen, es würden künftig keine Teufel mehr erscheinen, wie es jetzt noch geschähe. Sie antworteten darauf, daß alles, was sie hörten, ihnen so viel Freude bereiten würde, daß sie gar nicht wüßten, was sie dagegen sagen sollten. Sie übergaben sich also gänzlich in die Hände des Kapitäns, und daß er mit ihnen als seinen Brüdern und Dienern schalten und walten könnte. Er umarmte sie hierauf und nahm eine Hand des Prinzen und eine des Königs von Messana, legte sie in seine und sagte, er gäbe und verspräche ihnen bei der Treue, die er Gott und dem Kaiser, unserem Herrn, schuldig wäre, einen immerwährenden Frieden mit seinem Herrn, dem König von Spanien. Sie antworteten, daß sie ihm gleiches versprächen. Da der Friede also geschlossen war, ließ der Kapitän eine schöne Mahlzeit auftragen und gab ihnen reichlich zu trinken.
    Nachher überreichten der Prinz und der König von Messana dem Kapitän für den König von Zubuth Reis, Schweine, Ziegen und Hühner und baten, daß er entschuldigen möchte, daß sie solche kleinen Geschenke einen Mann wie ihm brächten. Der Kapitän dagegen schenkte den Prinzen ein großes Tuch von feiner weißer Leinwand, eine rote Mütze, verschiedene Schnüre Glasperlen und ein vergoldetes gläsernes Gefäß, denn Glas wird hier ausnehmend geschätzt. Dem König von Messana gab er jetzt nichts, weil er ihm schon vorher ein Kleid von dem Zeug, das man von Cambaia nach Portugal bringt, geschenkt hatte nebst vielerlei anderen Dingen. Allen übrigen machte er Geschenke von verschiedener Gattung und ebenso verschiedenem Wert. Zuletzt sandte er dem König von Zubuth durch Antonio Pigafetta ein Kleid von gelber und violetter Seide, auf türkische Art gemacht, eine rote Mütze und verschiedene Schnüre Glaskorallen. Alles wurde auf eine silberne Schüssel gelegt und dazu noch zwei gläserne vergoldete Gefäße übersandt. Als sie in die Stadt kamen, fanden sie den König in seinem Palast mit vielen seiner Leute. Er saß auf einer auf der Erde ausgebreiteten Matte, sehr sauber aus Palmfasern gewirkt. Seine ganze Kleidung war ein baumwollenes Tuch um die Mitte des Leibes und ein ausgenähter Schleier um den Kopf. Um den Hals trug einer eine Kette von großem Wert und in den Ohren zwei goldene Ringe, mit vielen Edelsteinen verziert. Er war klein von Person, dabei aber sehr fett, und der ganze Leib mit Hilfe des Feuers bemalt. Er war eben beim Essen, vor ihm standen zwei Schüsseln mit gekochten Eiern und an seiner Seite vier Porzellangefäße, mit Palmwein gefüllt und wohlriechenden Kräutern bedeckt, in jedem Gefäß war ein Rohr, dessen sich der König zum Trinken bediente. Nachdem der Dolmetscher das gehörige Kompliment gemach hatte, sagte er, sein Herr, der Kapitän, wäre dem König sehr für sein Geschenk verbunden und schickte ihm dafür diese, nicht als eine Entschädigung, sondern bloß zum Zeichen seiner großen Freundschaft. Jetzt ließen sie den König aufstehen und kleideten ihn an, setzten ihm die rote Mütze auf den Kopf und überreichten ihm die gläsernen Gefäße, nachdem sie sie geküßt hatten, was er auch bei der Übernahme tat. Nun mußte sich Antonio Pigafetta dem König gegenüber hinsetzen und mit ihm von den Eiern essen und aus dem Rohr trinken, während der Prinz und die übrigen, welche den Frieden geschlossen hatten, den König ermahnten, sich zum Christentum zu bekehren. Der König nötigte die Unsrigen, zum Abendessen zu bleiben, sie schlugen es aber aus und nahmen von ihm Abschied, worauf der Prinz sie zu seiner Wohnung führte, wo sie seine vier Töchter fanden, die sehr schön und weiß waren. Der Prinz ließ sie ganz nackend vor den Unsrigen tanzen, und während des Tanzens klapperten sie mit metallischen Zimbeln; dann wurden Speisen aufgetragen und die Unsrigen kehrten zum Schiff zurück.
    Am Mittwoch früh starb einer von unseren Leuten. Antonio Pigafetta und der Dolmetscher wurden hierauf zum König geschickt, um einen Begräbnisort zu erwirken. Der König antwortete ihnen auf ihre Bitte, daß er und alle seine Leute Vasallen ihres Herrn wären, daher gehöre ihm eigentlich sein ganzes Land. Man sagte ihm, um einen Toten zu beerdigen müßte man einen Ort weihen und dort ein Kreuz errichten. Auch damit war er zufrieden und setzte hinzu, sie würden es ebenso wie unsere Leute verehren. Als wir ihre Bereitwilligkeit sahen, wurde sogleich ein Ort nahe ihrem Platz geweiht und ein Kreuz dort errichtet, und gegen Abend brachten wir unseren Toten und senkten ihn in die Erde.
    Dann ließen wir aus den Schiffen viele Waren zum Tauschen an Land bringen und stellten sie in ein zu diesem Zweck bestimmtes Haus, das zum Vorteil des Königs vermietet wird. Wir ließen vier von unseren Leuten bei den Sachen, um den Tauschhandel zu besorgen. Dieses Volk liebt die Gerechtigkeit, sie haben Maß und Gewicht, aber über alles schätzen sie Frieden und Ruhe. Sie haben hölzerne Waagschalen mit einem Strick in der Mitte, woran sie solche halten, mit dem Gewicht an der einen Seite, die unseren überhaupt ziemlich ähnlich sind. Sie haben auch gewisse große Maße ohne Boden. Ihre Häuser sind aus Holz, mit Brettern oder Rohr auf großen dicken Pfählen hoch über der Erde erbaut, so daß man über verschiedene Stufen oder Leitern hinein steigen muß. Innen sind sie in etliche Gemächer aufgeteilt, und darunter hatten sie Schweine, Ziegen und Hühner.
    Die Einwohner erzählten uns, daß es hier einige große und schöne Vögel gäbe, die ihrer Beschreibung nach unseren Dohlen nicht unähnlich sind: Diese Vögel begeben sich auf die See und werden von den Walfischen, die hier sehr groß sind, lebendig verschlungen. Sobald dies geschehen ist, macht sich der Vogel an das Herz des Fisches und fängt an, es zu verzehren, worauf der Walfisch natürlicherweise stirbt, von den Wellen an das Ufer geworfen und von den Einwohnern aufgeschnitten wird, die alsdann den Vogel lebendig finden, der sich immer noch von dem Herzen nährt. Diese Vögel, Laghon genannt, haben im Schnabel verschiedene Zähne, ziemlich lange Federn und eine schwarze Haut über dem Fleisch. Das Fleisch ist aber sehr schmackhaft.
    Am Freitag legten wir unsere Waren zur Schau, über die die Indianer in große Verwunderung gerieten und sie sogleich eintauschten. Für Metall, Eisen und dergleichen grobes Gerät gaben sie uns Gold, und für kleine Sachen Reis, Schweine, Ziegen und andere Lebensmittel. Für vierzehn Pfund Eisen gaben sie zehn Peli Gold, und ein Pelo gilt anderthalb Dukaten. Der Kapitän befahl aber, daß wir nicht zu viel Gold nehmen sollten.
    Weil der König versprochen hatte, am folgenden Sonntag die christliche Religion anzunehmen, ließ der Kapitän auf dem großen Platz eine Art von Zelt errichten, mit Tapeten und Palmzweigen geschmückt, um den König dort zu taufen; er ließ ihm auch sagen, er möchte nicht erschrecken, wenn etwa die Kanonen abgefeuert würden, denn dies wäre bei uns an großen Festtagen gebräuchlich.
    Am folgenden Sonntag, den 4. April, früh morgens landeten demnach fünfzig Mann in zwei völlig bewaffneten Fahrzeugen mit der königlichen Fahne. Während der Landung wurde alles Geschütz der Flotte abgefeuert, worüber die Eingeborenen so erschraken, daß sie nach allen Seiten flohen. Der Kapitän umarmte hierauf den König und sagte ihm, die königliche Fahne käme nie anders als in Begleitung von fünfzig Mann mit Gewehr und zwei in weiße Rüstung gekleidete Männer zum Vorschein, und dies hätte er jetzt alles ihm zuliebe veranstaltet. Jetzt gingen beide mit großen Freuden an den Ort, wo das Gezelt aufgeschlagen war; hier fanden sie zwei Sessel, einen mit rotem, einen mit violettem Samt beschlagen, worauf sie sich setzten. Die anderen vornehmsten saßen auf Polstern und die übrigen auf Matten. Nun redete der Kapitän den König mit Hilfe des Dolmetschers an und sagte ihm, er danke Gott, der ihm den Gedanken eingegeben hätte, ein Christ zu werden, und daß er deswegen in Zukunft seine Feinde weit leichter als vorher überwinden würde. Hierauf gab ihm der König zur Antwort, daß er von Herzen gerne ein Christ würde, obgleich ihm viele seiner Großen zu verstehen gegeben, sie wollten ihm nicht länger gehorsam sein, weil sie ebenso gut wie er wären. Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als der Kapitän alle Oberhäupter des Landes zusammen kommen ließ und ihnen sagte, wenn sie nicht dem König als ihrem rechtmäßigen Herrn gehorchen würden, sollten sie alle umgebracht und ihre Güter eingezogen werden; darauf antworteten alle, sie wollten ihm gehorsam sein. Alsdann fuhr der Kapitän fort und sagte dem König, daß er, wenn er glücklich nach Spanien zurückkäme, ein andermal so viele Leute mitbringen würde, daß er ihn zum mächtigsten König in diesen Gegenden machen würde, weil er der erste gewesen sei, die christliche Religion anzunehmen. Als der König diese Worte  hörte, hob er die Hände gen Himmel und dankte ihm und bat den Kapitän, er möchte doch jemanden zurücklassen, der ihn und die Seinigen besser im christlichen Glauben unterrichten könne. Der Kapitän versprach zu seiner Befriedigung, zwei Leute dort zu lassen, daß er aber dagegen zwei von den Söhnen der vornehmsten Großen mitnehmen wollte, damit sie in Spanien die Sprache und die Gebräuche des Landes lernen möchten. Vor allen Dingen aber müßte er, wenn er ein Christ werden wolle, alle Götzen verbrennen und dafür ein Kreuz errichten. Dieses müßte er alle Tage mit gefalteten Händen anbeten und alle Morgen das Zeichen des Kreuzes vor der Stirn machen (wobei er ihm zeigte, wie er solches machen müßte). Der König versprach hierauf mit allen Seinigen, diese willig und gern zu tun. Jetzt führte ihn der Kapitän in das Zelt, wo er die Taufe empfing und nach dem Willen des Kapitäns den Namen Carlos zu Ehren Kaiser Karls des Fünften erhielt. Der Prinz wurde Ferdinand genannt nach dem Bruder des Kaisers, der König von Messana Johann, und der Mohr Christoph, allen übrigen gaben wir unsere Namen, und ehe die Messe anfing, waren fünfhundert Mann getauft. Nachdem die Messe zu Ende war, bat der König den Kapitän und die Vornehmsten von unsren Leuten zu Tische. Der Kapitän schlug es aber aus, und als sie uns bis an die Schiffe begleitet hatten, nahmen sie unter abermaliger Lösung des Geschützes Abschied.
    Nach Tisch ging der Priester mit einigen anderen an Land, um die Königin und vierzig ihrer Jungfrauen zu taufen; man führte sie in das Zelt und sie empfand mit einem Mal eine so große Rührung, daß sie vor Freude weinte und getauft  zu werden verlangte. Sie erhielt den Namen Johanna nach der Mutter des Kaisers und ihre Tochter, die Gemahlin des Prinzen, wurde Catharina genannt, die Königin von Messana Isabella, und jede von den anderen bekam einen besonderen Namen. An diesem Tag wurden achthundert Seelen, Männer, Weiber und Kinder getauft. Die Königin war sehr jung und schön, sie war mit einem weißen Tuch bekleidet, hatte einen schönen roten Mund und trug einen Hut, auf dem oben eine Krone war, die mit der päpstlichen Kone einige Ähnlichkeit hatte. Der Hut und die Krone waren aus Palmblättern gefertigt, und ohne sie ließ sie sich nie sehen. Sie bat die Unsrigen, ihr ein Kreuz zu geben, das sie zum Gedächtnis Jesu Christi, in dessen Namen sie getauft worden war, an den Ort setzen wollte, wo sie sonst ihren Götzen aufbewahrt hätte. Die Bitte wurde sogleich gewährt und sie kehrte darauf nach Hause zurück. Gegen Abend kamen der König und die Königin an das Ufer, worauf der Kapitän alles Geschütz lösen und allerlei Feuerwerk und Raketen abbrennen ließ, was ihnen viel Freude machte. Der König und der Kapitän nannten sich jetzt immer Brüder. Vor der Taufe führte er den Namen Raja Humabuon. Nachdem er aber die christliche Religion angenommen hatte, vergingen nicht acht Tage, und die ganze Insel war getauft. Weil aber eine gewisse Stadt auf einer anderen Insel dem König nicht gehorchen wollte, gingen die Unsrigen hin und verbrannten sie und errichteten ein großes Kreuz an diesem Ort. Dieses taten sie, weil die Einwohner Heiden und Abgötter waren, wären sie aber Mohren, das heißt Mohammedaner gewesen, so hätten wir eine Säule von Stein errichtet, damit sie desto länger überdauern möchte, weil die Mohren weit eigensinniger und schwerer zu bekehren sind als die Heiden.
    Eines Tages, als der Kapitän an Land ging um die Messe zu hören, erzählte er dem König viel von unserer Religion, am selben Tag kam auch die Königin mit großem Gepränge, die Messe zu hören. Vor ihr gingen drei Jungfrauen und drei Männer mit ihren Hüten in den Händen, dann kam sie selbst, in schwarz und weiß gekleidet, mit einem großen seidenen, mit Gold besetzten Schleier auf dem Kopf, der ihr bis zu den Schultern reichte. Ihr folgten eine Menge Weiber, die nackend und barfuß waren, ausgenommen, daß sie um den Kopf und Gürtel einen feinen Schleier trugen. Ihre Haare waren zerstreut. Nachdem die Königin sich gegen den Altar verbeugt hatte, setzte sie sich auf ein seidenes gesticktes Kissen, und ehe die Messe begann, besprengte der Kapitän sie und die Jungfrauen mit wohlriechendem Wasser; an dem schönen Geruch hatten sie großes Wohlgefallen. Dann sagte der Kapitän der Königin, daß sie statt ihrer Götzen nun das Kreuz verehren müßte, welches zum Andenken der Leiden unseres Heilands, des Sohnes Gottes, gemacht sei, sie dankte ihm darauf sehr für seinen Unterricht und versprach ihm zu folgen.
    Am andern Tag ließ der Kapitän, ehe die Messe verlesen war, den König, die Vornehmsten der Stadt und den Bruder des Königs, Vaters des Prinzen zusammenkommen und dem Kaiser, seinem Herrn, Gehorsam schwören. Als sie geschworen hatten, steckte er seinen Degen vor dem Altar in die Erde und sagte ihnen, wenn man einen solchen Eid getan hätte, müßte man eher sterben als ihn brechen. Dann verschenkte der Kapitän einen Sessel von rotem Samt und sagte dabei, er müsse sich den immer vorweg tragen lassen, wenn er an einen anderen Ort ginge, und daß er dieses aus Freundschaft für ihn tun solle. Der König versprach es und schenkte darauf dem Kapitän zwei Juwelen, in Gold gefaßt, um sie in die Ohren zu hängen, nebst zwei Zierraten für die Arme und zwei für die Beine, alle sehr reich mit Edelsteinen besetzt. Dieses ist die größte Pracht eines hiesigen Königs, denn im übrigen gehen sie barfuß und bloß mit einem Tuch bedeckt, das vom Gürtel bis an die Knie reicht.
    Nachdem einige Tage verflossen waren, fragte einmal der Kapitän den König und die Vornehmsten des Landes, warum sie nicht ihren Versprechen gemäß bei Annahme des Christentums ihre Götzen verbrannt hätten und ihnen immer noch viel Fleisch opferten. Sie antworteten hierauf, daß sie solches nicht täten, wie ihre Götzen es brauchten, sondern bloß wegen eines Kranken, damit sie ihn heilen möchten. Dieser Kranke, setzten sie hinzu, wäre schon seit vier Tagen sprachlos, er wäre der Bruder des Prinzen und einer von den tapfersten und weisesten der ganzen Insel. Als der Kapitän das hörte, sagte er ihnen, wenn sie nur an Jesum Christum glauben und ihre Götzen verbrennen wollten und der Kranke sich taufen ließe, würde er sogleich genesen, und wenn das nicht geschähe, wollte er sich den Kopf abschlagen lassen. Der König antwortete ihm jetzt, daß sie gerne tun wollten, was er verlangte, weil sie wahrhaftig an Jesum Christum glaubten, und sogleich machten sie, so gut sie es konnten, eine Prozession mit dem Kreuz um den Platz herum und gingen zum Haus des Kranken, den sie ausgestreckt liegend fanden, ohne Sprache und Bewegung, und ihn sogleich tauften nebst seiner Frau und zehn Jungfrauen. Dann fragte ihn der Kapitän, wie er sich jetzt befände. Der Kranke fing an zu sprechen und sagte, daß er sich durch die Gnade unseres Herrn etwas gebessert fühle. Und dies ist ein offenbares Wunder, das in unseren Zeiten geschehen ist. Als der Kapitän ihn sprechen hörte, dankte er Gott und ließ dem Kranken eine für ihn aus Mandeln bereitete Speise bringen. Er schickte ihm auch ein Matratze, zwei Bettücher, ein Kopfkissen und eine Decke von gelbem Tuch und sandte ihm täglich, bis er genesen war, von der oben erwähnten Speise nebst Rosenwasser, Rosenöl und Konfitüren, aus Zucker gemacht. Kaum waren fünf Tage vergangen, so konnte der Kranke schon herumgehen, worauf er sofort in Gegenwart des Königs einen Götzen, den ein altes Weib in seiner Kammer verborgen hatte, verbrennen ließ. Er ließ auch viele Altäre umwerfen, die man am Ufer des Meeres errichtet hatte, und auf welchen sonst das geopferte Fleisch gegessen wurde. Er sagte dabei, wenn Gott ihm ein langes Leben schenkte, wollte er alle Götzen, die er finden könne, verbrennen, selbst wenn er sie im Haus des Königs finden sollte. Diese Götzenbilder sind aus Holz und hohl, sie habe kein Hinterteil, sondern bloß nackte Arme, einwärts gebogene Füße mit nackten Beinen und ein großes Gesicht mit vier Zähnen im Maul wie ein Wildschwein; übrigens sind sie ganz bemalt.
    Diese Insel heißt Zubuth, es sind darin viele Städte, die alle dem König einen Tribut von Lebensmitteln geben.

 

Pigafetta, Antonio
Erste Reise um die Welt durch Ferdinand Magelhan
Übersetzt aus dem Italienischen
In: Beiträge zur Völker- und Länderkunde
Band 4, Leipzig 1784

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