Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1645 - Johann Jakob Merklein
Sumatra

 

Jamby ligt auf der Ost-seiten der Insel Sumatra, bey nahe recht unter der Equinoctial-linie, von Batavia achtzig Meilen; ist ein besonderes, aber nicht sehr mächtiges Königreich; an der See, und an vielen Orten Landwerts hinein, sehr morastig, und mit dickem, wilden Gesträuch umwachsen; welches auch die Ursach, daß des Königs Residenz, und der Holländer Kauffhaus so weit den Fluß hinauf gebaut ist. Ist sonsten zimlich fruchtbar an Reis, und andern Früchten: Und sonderlich wächst nicht allein im Königreich Jamby, sondern auch auf der gantzen Insel Sumatra, eine grosse Menge Pfeffer: Auch bringt das Land jährlich eine zimliche Menge Sand-gold auf, welches auch zum theil von Holl- und Engelländern eingehandelt wird. Die Innwohner des Lands sind zwar Mahumetisten, lassen sich beschneiden, kommen doch nicht allerdings mit den Türken und Persianern überein; sondern haben noch viel sonderliche Superstitiones, welche mehr heidnisch als türkisch scheinen. Im Essen und Trinken sind sie mässig, ihre Speiß ist Reis, Fisch, Feldfrüchte, etc. Ihr Getränk Wasser, weilen allen Mahumetisten der Wein und stark Getränk verbotten ist. Die Holländer aber, und etliche Innwohner, die nicht sehr religieus, trinken Aireputi (Mal. ajar putih), auf Teutsch, weisses Wasser, welches aus einer besondern Art Bäume tropfet, und wann es etwas stehet, man sich wol trunken darein trinken kan. Etliche trinken auch Arack, welcher aus Reis, Seequal, Aenis, etc. gedistillirt wird, und schier durch gantz Indien sehr in Gebrauch ist. Der gemeine Arack ist nicht sonderlich stark, also daß man ihn trinken kan, wie bey uns den Wein; kan aber (wann man ihn öfter überzieht) so stark, als unser Brandwein, und mit Zucker und Specereyen, ein gut aqua vitae daraus gemacht werden.
   Die gantze Insel Sumatra, darauf Jamby gelegen, fängt an vom 6. Grad latitud. Nordwerts, vom Aequatore, und erstreckt sich bey nahe bis auf 6. Gr. Sudwerts. Ist vor Zeiten Taprobana genennet worden; sie ist sehr ungesunder Luft, und je näher dem Equatori, je ungesunder: Sonderlich regiren daselbsten sehr hitzige Fieber; mit welchen wann einer 6 oder 8 Tage hinüber bringt, mag er gute Hofnung haben; viel aber sterben den 4. oder 5. Tag, auch wol ehe. Wie wir dann solches unter unsern Schiffleuten gewahr worden, indem wir ihrer drey bey dem Fluß begruben,und den vierdten unterwegs ins Wasser werfen musten.
   Auf der West-seiten dieser Insel, sind noch unterschiedliche Oerter, da die Holländer jährlich ihren Handel treiben, und etlich 100 Last Pfeffer auch in einem gewissen Preiß einkauffen; als da sind Tico, Priaman, Sillabar, Endapouro (Tiku, Priaman, Silebar, Indrapura), &c. Weil es aber auf dieser Seiten noch ungesunder, als auf der Ost-seiten, also residirn die Kauffleute nicht stetig daselbsten, wie auf Jamby; sondern fahren mit den letzten Schiffen wieder auf Batavia, und des Jahrs hernach, mit dem ersten wieder hin.

 

Merklein, Johann Jakob
Reise nach Java, Vorder-und Hinterindien, China und Japan 1644-1653
Neu herausgeben nach der zu Nürnberg  im Verlag von Johann Freidrich Endter  1672 gedruckten verbesserten Ausgabe des im Jahre 1663 zum ersten Mal erschienenen Textes
in der Reihe: Reisebeschreibungen von deutschen Beamten und Kriegsleuten im Dienst der Niederländischen West- und Ost-Indischen Kompagnien 1602-1797; Herausgegeben von S. P: L'Honoré Naber, 3. Band, Haag 1931(Martinus Nijhoff)

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