Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1521 - Antonio Pigafetta
Mit Magellan auf Samar, Philippinen

Am 10. März 1521 landeten wir bei Tagesanbruch auf einem hohen Ufer, welches ungefähr 30 Seemeilen von den Diebsinseln [Marianen] liegt und welches wir Zamal nannten. Den folgenden Tag aber befahl der Kapitän nach einer anderen, unbewohnten Insel zu gehen, um Wasser einzunehmen. Es wurden demnach zwei Zelte zum Gebrauch der Kranken dort aufgeschlagen und ein Schwein geschlachtet.
    Am 18. März nachmittags sahen wir einen Kahn ankommen, in dem neun Mann waren. Der Kapitän befahl sogleich, daß sich keiner von den Unsrigen rühren oder mit ihnen ohne seine Erlaubnis sprechen sollte. Sobald die Fremden an Land waren, kam der Vornehmste unter ihnen zu dem Befehlshaber und bezeigte sich über seine Ankunft vergnügt. Fünf von den angesehendsten blieben bei uns und die übrigen gingen hin, um noch andere zum Fischen zu rufen, so daß noch viele von ihnen den Kapitän sehen kamen. Dieser merkte, daß sie gesittete und vernünftige Leute waren, und ließ ihnen zu essen und zu trinken geben. Er beschenkte sie auch mit roten Mützen, Spiegeln, Kämmen, Schellen und dergleichen. Diese Freundlichkeit des Kapitäns gefiel ihnen so sehr, daß sie ihm dafür große Fische, ein Gefäß voller Palmwein, große Feigen, einige kleinere wohlschmeckende Früchte und zwei Kokosnüsse gaben. Von letzteren hatten sie nicht mehr mitgebracht, sie machten aber mit den Händen Zeichen, daß sie in vier Tagen mehrere nebst Reis und anderen Dingen bringen würden.
    Die Wilden wurden mit unseren Leuten bald bekannt, sie erzählten uns, wie sie viele Dinge nannten, sagen uns die Namen verschiedener Inseln, welche man von dort aus sehen konnte, und das die ihrige, die nur klein ist, Zulvan hieße. Die Unsrigen fanden viel Vergnügen an ihrem Umgang, weil sie wirklich sehr gesittet werden. Um unserem Kapitän recht große Ehre zu erzeigen, nötigten sie ihn, in ihre Boote zu kommen. In einem hatten sie ihre Handelswaren, nämlich Gewürze, Nelken, Zimt, Pfeffer, Ingwer, Muskatblumen und Nüsse, auch Gold, auf verschiedene Art bearbeitet, und alles dies führten sie hier und dort zum Verkauf in ihren Booten.
    Der Kapitän ließ sie auch auf unsere Schiffe kommen und zeigte ihnen alles, was wir hatten; zuletzt ließ er eine Kanone lösen, was ihnen einen solchen Schrecken einjagte, daß sie in die See springen wollten. Die Unsrigen beruhigten sie aber wieder und versprachen durch Zeichen, ihnen von unseren Sachen zu schenken, was auch geschah. Dann ließ man sie nach Hause gehen; vorher aber nahmen sie noch höflich Abschied und sagten, sie würden wiederkommen, wie sie es versprochen hatten. Diese unbewohnte Insel, auf der wir uns aufhielten, hieß Humunu; sie hat zwei Quellen von vortrefflichem klaren Wasser, auch Gold, eine Menge weißer Korallen und viele Bäume, die eine Frucht tragen, die etwas kleiner als Mandeln ist. Die Unsrigen nannten sie die Insel der guten Zeichen. Sie fanden dort eine Menge Palmen und anderer Bäume, die aber keine Früchte trugen. Rund um diese Insel findet man viele andere, und daher nannten wie sie alle miteinander den Archipel von St. Lazarus.
    Am 23. März kamen zwei Boote voll mit den Leuten zur Insel, die es uns versprochen hatten, und brachten Kokosnüsse, ein Gefäß voll Palmwein und einen Hahn mit, um uns zu zeigen, daß sie auch Hühner hätten. Ihr Oberhaupt war ein alter Mann, er ging völlig nackend, und sein ganzer Leib war bemalt. In den Ohren trug er zwei goldene Ringe und um die Arme viele goldene Zierrate. Um den Kopf hatte er eine Art von Leinentuch. Diese Leute blieben acht Tage bei uns, und während dieser Zeit ging der Kapitän oft mit ihnen an Land zu den Kranken, welche in den Zelten waren. Denen ließ er alle Tage von dem Kokoswasser geben wir auch von dem mandelartigen Mark, und beides erquickte sie sehr.
    Wir erfuhren hier, daß es auf den benachbarten Inseln Leute gäbe, die so große Ohren hätten, daß sie damit die Arme bedecken konnten.
    Diese Leute sind Heiden, sie gehen nackend, ausgenommen, daß sie vor den Geschlechtsteilen ein Stück dünnes Zeug tragen, das sie aus der Rinde eines Baumes bereiten. Die vornehmsten haben ein mit der Nadel gestricktes seidenes Tuch auf dem Kopf. Sie sind olivenfarbig, sehr feist, und bemalen sich den ganzen Leib, den sie nachher der Sonne und des Windes wegen über und über mit Öl einreiben. Ihre Haare sind lang und hängen bis zum Gürtel. Sie haben Dolche, Messer und Lanzen, mit Gold geziert. Sie verfertigen auch Fischernetze und Kähne wie die Unsrigen.
    Den 26. März segelte der Kapitän von hier ab.

Pigafetta, Antonio
Erste Reise um die Welt durch Ferdinand Magelhan
Übersetzt aus dem Italienischen
In: Beiträge zur Völker- und Länderkunde
Band 4, Leipzig 1784

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