Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1680 - Elias Hesse
Batavia
Djakarta, Indonesien

Die Stadt Batavia, weyland Jaccatra, liegt mit ihrem Castel auff der Höhe von 6. Gr. 10. Min. unter dem Süd-Polus, auf der Insul Java major, zwölff Meilen von Bantam, und qver über der Revier Jaccatra, sie ist mit einer starcken von gehauenen Steinen auffgeführten Ring-Mauer, vielen Bollwercken, breiten Wasser-Gräben, starcken Pforten und Fall-Brücken, sehr wohl befestigst und versehen, mitten in der Stadt an der Revier Jaccatra, stehet eine viereckichte starcke Redout (Redout Cuijlenburgh d.H.), von welcher die gantze Stadt und Castel kan beschossen werden, man findet auch in der Stadt an dem besten Orthe, eine herrliche Kirche, wie auch noch eine andere, worinn die Christliche Lehre in der angenemen lieblich lautenden Maleischen Sprache geprediget wird; Es wird auch des Sonntags im Castel für den Gouverneur-General und die Herren Räthe von Indien geprediget, dergleichen ist auch vor der neuen Pforte an dem Wege nach Jaccatra ein Kirchlein, darinnen in der Portugiesischen Sprache geprediget wird, wird also daselbst die Reformirte Lehre biß auff diesen Tag, wie im Niederlande unterhalten und fortgepflantzet. Es hat die Stadt auch ein ansehnliches Rathauß, Item ein Wäysen-, Siechen- und Spinn-Hauß, in welcher Letztern man insgemein die Batavischen bösen Weiber, so ihren Männern untreu befunden, sitzen findet, die Stadt an sich selbsten ist ziemlichen groß, sehr Volckreich, und findet man kostbare steinerne Gebäue, breite Strassen, bewohnte Grafften (Grachten d.H.) , lustige Burg-Wälle (Burgwall ist nicht der Wall, sondern der Graben d.H.), steinerne Brücken und Basars oder Märckte, welche zuweilen von den Niederländern, Mohren, Sinesen, Javanen, Maleyern, Macassaren, und andern Indianischen Völckern gleichsam angefüllet sind. Die Stadt und das Casteel werden durch einen grossen Platz und breites Wasser von einander abgesondert, und liegt das Casteel am Ufer des Meers und an dem Strohm Jaccatra, auff welchen täglichen die Böte, Pramen, Schlupen, Jacht-Schiffe, Juncken &c. ab und zu fahren, das Castel Batavia hat vier starcke Bollwercke, nehmlich den Diamant, den Rubin, den Saphir, die Perle, wie auch starcke Mauren, tieffe Gräben, köstliche Pforten und Fall-Brücken, und ist mit allem was zum Kriege erfordert wird, überflüßig versehen. Rund um die Stadt siehet man die lustigsten Spatzier-Wege, langs den Ländern, Baum-Gärten, Höfen, und angenehmen Lust-Häusern und Wohnungen, woselbst man sich herrlich, und zwar in Sicherheit, ergetzen und spatzieren kan. Man findet auch ausserhalb Batavia auff eine halbe Meile, auch ferner Landwerts ein, unterschiedene Schantzen, Abschnidte, Redouten, Block-Häußer und andere Befestigungs-Wercke mehr, welche für den Anlauff der besorgenden Javanen, die Stadt beschirmen und mit Holländischen Soldaten besetzt seynd: Jaccatra, Anchol, Maron, Nordwigh, Reiswigh, Fünffhuck und Angee (Jacatra, Antjol, Maron, Noordwijk, Rijswijk, Vijhoek, Angké d.H.), diese seynd insgemein bey fruchtbaren Reiß-Land gelegen, allwo viel hundert Javanen und Sinesen in hocherhabenen Hütten, gleichsam in der Lufft liegen, wohnen, damit sie vor dem Tieger und andern wilden Thieren sicher seyn, und gehet von einem Hause zum andern ein Seil von gewachsenem Rohr bereitet, woran unterschiedlich Klapper-Werck gemacht, wodurch die Vögel abgetrieben werden. Man siehet auch vor der neuen Pforte, verschiedene Wasser-Mühlen, welche von dem Strom Jaccatra getrieben werden. Aus welchen denn bereits zur Gnüge erhellet, daß die Stat Batavia nach ihrer jetzigen Gelegenheit alle andere Indianische Städte weit übertrifft, allermassen denn selbige mit allerhand Nationen angefüllet, und alschon von dem Jar 1619 und noch biß dato die Haupt-Stadt oder comptour der Holländischen Ost-Indischen Compagnie und der Staffel aller Kauffmannschafft dahin alle von andern comptoiren in Indien eingesammmlete Wahren darnach zugebracht, und folgends durch die jährliche dar abgefertigte Retour Flotten nach Holland überbracht werden, gewesen. Sie hat einen beqvemen Meer Busen, welcher durch viel kleine Insuln bedeckt wird, daher es eine sehr sichere und beqvehme Ancker Stelle machet.

Hesse, Elias: Goldbergwerke in Sumatra 1680-1683
Neu herausgeben nach der zu Leipzig  im Verlag von Micheal Günther  im Jahre 1690 gedruckten verbesserten Ausgabe des im Jahre 1687 zum ersten Mal erschienenen Textes
in der Reihe: Reisebeschreibungen von deutschen Beamten und Kriegsleuten im Dienst der Niederländischen West- und Ost-Indischen Kompagnien 1602-1797; Herausgegeben von S. P: L'Honoré Naber, 10. Band, Haag 1931

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