Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1649 - Johann von der Behr
Elefantenfang auf Ceylon / Sri Lanka

Auf der Insul Ceilon seind zwey Oerther, einer mit Nahmen Cattuma, der ander der Flasmeulla, da man die Elephanten zu fangen pfleget, worzu auch ein absonderlicher Jägermeister bestellet, weiß seine gewisse Zahl, wie viel er derer jährlichen lieffern muß, hat in die 40. Negereyen oder Dörffer unter sich, darauß er in die 400. Schwartze, so ihn helffen müssen, nehmen kan. Wenn er nun dergleichen Jagt vorhat, welche im Monath Junio, Julio und Augusto am besten anzustellen, denn ümb selbige Zeit die Elephanten aus Mangel Wassers von den hohen Bergen sich herunter begeben, sonderlich aber gegen das Meer zu, da es öfters regnet. So läst er ümb selbige Gegend, (da sie häuffig anzutreffen,) durch die Schwartzen uf 4. 5. 6. Meilen Holtz herumb legen, die als hierinne wohlerfahrne, wohl wissen wo die Elephanten herkommen, und von warmen sie sie herjagen sollen, belägern sie auch rund umb mit Feuer. Weilen sich nun die Elephanten für dem Feuer sehr fürchten, und darüber nicht schreiten werden, so setzen sie zu Ende dessen ein Kral , das ist, sie pflöcken starcke grosse Bäume gegen einander über auf beyden Seiten, wie Stacketen dicht in einander, und feste verwahret, stehen darinne gantz ümbzäunet, hernach wird gewählet, welche man in den eine gute Viertelstunde davon gemachten Nothstall treiben will, welcher sehr enge gefast ist, daß, wann er darein kömpt, sich nicht wieder umbkehren, viel weniger herauß kommen kan, weil der Nothstall zu Ende mit 4. starcken Bäumen als Riegel verwahret. So bald nun ein Elephant, den man gerne haben wollen, darinne ist, weiter fortgehet, in Meinung durch zu kommen, sonderlich wann er das euserste erlanget, lauffen geschwinde die Neger, welche nicht weit darvon liegen, mit kleinen Spiessen zu, und schieben alsobald von hinten vier Riegel quer über, also, daß er weder hinter noch vorwerths kommen kan. Wann nun 6. oder 8. Stücke aufs meiste im Nothstall beschlossen, wird solches unsern Commendanten wissent gemacht, ümb die zahmen Elephanten, welche darzu abgerichtet, zu senden, damit uff ieder Seite des Nothstalls einer gestellet werden könne, hernach sehen sie, daß sie den zahmen und wilden Elephanten einen gewunden Seil oder Strick ümb den Hals werffen können, worzu grosse Mühe gehöret, denn sie manchmahl einen halben Tag damit zubringen, ehe sie ihm ein klein Stricklein anbringen, an selbiges knüpffen sie ein groß Seil, legen ihm auch an einen Hinterfuß einen Strick an, daran viel Schwartze hangen, und so lange halten, biß sie die zwey fördersten Riegel herauß gezogen haben, alsdann gedencket der Elephant durch zu kommen, so aber vergebens, denn er allzu sehr verwahret, machen ihn wieder den Hinderfuß loß, und wird zwischen zweyen zahmen Elephanten an den Ort, wo er zahm gemacht werden soll, fortgebracht, an welchem Ort ein grosser Baum stehet, (welchen sie ihren Beschar- oder Opfferungs-Baum, darunter sie dem bösen Feind opffern, nennen), daselbsten halten sie mit ihnen still, biß die Billaher kommen, welche das Gesicht vermummt und sich mit Schellen behänget, darmit tantzen und springen sie vor den wilden Elephanten herumb, und reden ihn in ihrer Sprach also an: Er solle sich nicht wilde stellen! denn er wohl gepfleget werden soll, und an statt daß er im Regen und Wind, soll er in einem Hauß untem Dach stehen, und da er sonsten etliche Meilen nach Wasser zu trincken gehen müssen, alle Tage zwey mahl in die Rivier gebracht und geträncket werden, und alle Tage satt mit Kost versehen werden soll, da stehet der Elephant gantz verdut, ob den ungewöhnlichen Klang und springen, daß er sich willig darein ergiebet, hierauf bringen sie einen grossen Topff voll Wassers, giessen ihm den übern Leib, täuffen ihn damit, und geben ihm einen Nahmen nach seinen Herren, oder nach dem Lande darauf er gefangen worden: bringen aber die zu Zeiten ein halb oder gantzes Jahr zu, ehe er recht zahm wird, daß man ihm trauen, und loß gehen lassen darff , werden hernach an die Mohren und Perser verkauftet, bekommen vor einen wann er groß 600. auch wohl 700. Thaler, halten die auf dieser Insul vor die edelsten, welches darauß abzunehmen, daß die, so von andern Orten hergebracht werden, vor ihnen niederfallen.

Behr, Johann von der
Reise nach Java, Vorderindien, Persien und Ceylon 1641-1650
Neu herausgeben nach der zu Breslau  im Verlag von Urb. Spalthholtz  im Jahre 1669 erschienen Original-Ausgabe
in der Reihe: Reisebeschreibungen von deutschen Beamten und Kriegsleuten im Dienst der Niederländischen West- und Ost-Indischen Kompagnien 1602-1797; Herausgegeben von S. P: L'Honoré Naber, 4. Band, Haag 1930

Reiseliteratur weltweit - Geschichten rund um den Globus. Erlebtes und Überliefertes aus allen Teilen der Welt. Entdecker – Forscher – Abenteurer. Augenzeugenberichte aus drei Jahrtausenden. Die Sammlung wird laufend erweitert – Lesen Sie mal wieder rein!