Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1646 - Jürgen Andersen
Colombo und Punte de Galle
Ceylon / Sri Lanka

Die Stadt Colombo gehört den Portugiesen, ist sehr volkreich und mit 800 Mann Garnison versehen. Es wird großer Handel darin getrieben, der über ganz Indien geht, wodurch es dort sehr reiche Kaufleute unter den Portugiesen gibt. Dieses ist die einzige Stadt, die die Portugiesen noch auf dieser Insel Zeilon besitzen. Sie haben zwar vorher viel mehr Orte innegehabt, deren sie aber durch die Kriege der Cingalen wie auch der Holländer verlustig geworden sind.
    Nach dem 11. Juli kamen wir auf die Reede vor der Stadt Punt de Galle und ließen den Anker fallen vor einem Blockhause, welches auf einem Holm oder einer Steinklippe liegt am Ufer des Meeres, woselbst auch der Gouverneur dieses Ortes seine Residenz hat.
    Die Stadt Punte de Galle liegt unter dem 6. Grad und 24 Minuten nördlich vom Äquator am Ufer des Meeres auf ebenem Lande, an einem sumpfigen Ort, fast quadratisch in der Form. An drei Seiten nach dem Lande zu mit einer starken Mauer umgeben, ist sie aber nach der See beim Hafen ganz offen, kann aber ihre Verteidigung vom eben erwähnten Blockhaus, das mit Stücken über den ganzen Hafen spielen kann, gar wohl haben. Die Mauern der Stadt sind aus gehauenen Corallsteinen (wie sie es nennen) und mit vielen Rondellen, die alle mit Metallstücken wohl besetzt sind, umgeben; man kann die ganze Stadt in dreiviertel Stunden gemächlich umgehen. Die Häuser der Stadt sind nicht sehr besonders, sondern meistenteils auf indianische Manier aus Bambusrohr gemacht und mit den Blättern von Coquosbäumen bedeckt. Man hat aber angefangen, auch steinerne Häuser darin zu bauen, und bei 30 Stück waren schon fertig.
    Es stehen in der Stadt über 3.000 Klapper- oder Coquosbäume, auch nicht weniger außerhalb der Stadt; die werden an die Einwohner verpachtet für einen Reichstaler das Stück im Jahr. An beiden Seiten längs dem Strande haben die Holländer vierzehn Dörfer, die sie von den Cingalen durch allerhand Mittel an sich gebracht haben.
    Zu meiner Zeit lagen als Garnison in der Stadt 600 niederländische Soldaten, bisweilen mehr, bisweilen weniger, je nachdem sie wider die Cingalen zu Felde ziehen müssen, denn es gibt einen immerwährenden Streit zwischen ihnen wegen der Caneel- oder Zimtbäume. Zudem trachtet der König von Candi immer danach, wie er über diese Stadt Meister werden könnte.

Orientalische Reisebeschreibung  von Jürgen Andersen
in: Olearius, Adam (Hg.)
Orientalische Reisebeschreibungen
Schleswig 1669

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