Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1899-1921 - Richard Wilhelm
Die Alten von Tsingtau
Qingdao

  Im Lauf der Jahre war zwischen Tsingtau und dem Hinterland einiger Verkehr entstanden. Die feindselige Stimmung, die bei der Besetzung Tsingtaus in China Platz gegriffen und jeden persönlichen Verkehr zwischen dem Provinzialgouverneur in Tsinanfu und dem deutschen Gouverneur in Tsingtau unmöglich gemacht hatte, war gewichen. Der chinesische Provinzialgouverneur Tschou Fu durchbrach den Bann und machte einen persönlichen Besuch in Tsingtau. Er ging dabei von der Voraussetzung aus, dass man auf beiden Seiten durch gegenseitiges Vertrauen und guten Willen mehr erreichen könne als durch Misstrauen und Abschließung. Auf deutscher Seite wusste man zunächst nicht recht, wie man sich dieser neuen Situation gegenüber verhalten sollte. Die »Chinakenner« unter der Bevölkerung – das sind in der Regel Leute, die immer das Schlimmste prophezeien, um dann nachher sagen zu können: »Ich habe es ja vorausgesehen!«; denn wenn ihre Unkenrufe vergeblich waren, so denkt ja nachher kein Mensch mehr daran, und es sieht immer kundiger aus, wenn man pessimistisch ist – die Chinakenner also hatten zu verstehen gegeben, dass hinter der Reise eine gewisse Absicht liege, wenigstens moralisch Beschlag auf das Schutzgebiet zu legen. So war man besorgt. Andererseits ließ sich ein freundschaftlicher Besuch auch nicht ablehnen. So nahm man denn an – nicht ohne Anwendung geheimer Vorsichtsmaßregeln. Als der Gouverneur Tschou Fu kam, wusste er durch seine derbe Geradheit und seinen gesunden Humor bald die Luft von solchen Gedanken zu reinigen. Es entspann sich eine Art von freundschaftlichem Verkehr zwischen Tsingtau und Tsinanfu.
  Die beiden Kulturen kamen in Berührung. Natürlich gab es bei dem großen Abstand, den sie damals noch voneinander hatten, manche ergötzlichen Missverständnisse.
  Das öffentliche Leben im alten China spielte sich nur unter Männern ab. Frauen waren bei Gastmählern nicht anwesend. Höchstens, dass man öffentliche Sängerinnen zur Unterhaltung der Gäste kommen ließ. In Tsingtau waren die Damen viel zu gespannt auf die fremden Gäste, als dass sie es sich hätten entgehen lassen mögen, sie in ihren goldgestickten, prächtigen Gewändern mit den pferdehufartigen Ärmelaufschlägen und den Zöpfen unter den von bunten Kristallknöpfen bekrönten Mandarinmützen zu sehen. So kam die moderne europäische Kleidung – die Herren im Frack, die Damen in großer Abendtoilette – mit der alten chinesischen Mandarinentracht in unmittelbare Berührung. Die chinesischen Herren in ihren prächtigen Gewändern und ihren harmonischen, geräumigen Bewegungen wirkten in der europäischen Gesellschaft recht imposant. Freilich kamen gelegentlich auch Missverständnisse vor. In China herrscht die Sitte, dass man bei Tisch Becher und Schalen vor dem Gebrauch auswischt und auch die Essstäbchen noch einmal zur Vorsicht reinigt. Aus alter Gewohnheit kam es da auch gelegentlich vor, dass einer der Herren das Weinglas mit dem Taschentuch auswischte. Die Hausfrau war entsetzt. Der Diener versicherte, das Glas sei rein. Sie befahl es herzubringen, und richtig, es war der Rand, wo der Gast es mit dem Taschentuch gereinigt hatte, recht trübe, sonst aber ganz tadellos.
  Es fehlte auch nicht an Missverständnissen auf der anderen Seite. Zwei chinesische Gäste führten zum Beispiel folgendes Gespräch: »Wie kommt es eigentlich, dass die fremden Damen heute Abend so ganz anders gekleidet sind als sonst? Sieh nur hin, oberhalb der Brust quillt das Fleisch ringsherum zum Rücken heraus. Keinen Faden haben sie an, und von den Ärmeln sind auch nur noch ganz kleine Reste vorhanden. Dabei ist der Rock so lang, dass er über einen Fuß auf dem Boden nachschleppt. Was hat das eigentlich für einen Sinn, dass sie am Oberkörper so nackt und am Unterkörper so verhüllt sind?« Der Nachbar, der früher im Ausland gewesen war, antwortete darauf: »Das tragen sie als Festkleid. Nur die höheren Stände sind berechtigt, sich so anzuziehen.« »Ach so!« war die Antwort. Dann wandte sich das Gespräch anderen Dingen zu.
  Oder es traf sich einmal, dass gerade einige Damen aus Shanghai in einem befreundeten Hause zu Gast waren. Sie wollten die Gelegenheit, die chinesischen Würdenträger aus der Nähe zu sehen, nicht vorüber gehen lassen, und so erklärten sie sich bereit, in der sonst nur aus Herren bestehenden Gesellschaft ein paar Violinstücke mit Klavierbegleitung vorzutragen. Sie spielten recht gut, und jedermann klatschte Beifall. Zum Schluss fragte dann einer der chinesischen Gäste: »Wie viel bezahlt Ihr eigentlich solchen Mädchen für den Abend?«
  Später, als die Annäherung zu vertrauteren Beziehungen geführt hatte, wurden auch manche diplomatischen Kämpfe mit dem Sektglas in der Hand ausgefochten. Ein höherer Beamter war berühmt durch seine Trinkseligkeit und gefürchtet wegen der Rücksichtslosigkeit, mit der er durch dauerndes Zutrinken ein weniger leistungsfähiges Opfer erledigte. Ein japanischer Professor war ihm aber gewachsen. Er trank mit freundlichem Lächeln immer mit und ließ sich immer wieder – Sodawasser nachgießen. Schließlich nahm der alte Herr zwei Gläser zugleich und trank weiter. Das ging dann doch auch über seine Kraft. Bedenklich schwankend verließ er das Esszimmer und sank in einen Polsterstuhl. Mit Spannung und Sorgen erwartete man eine Katastrophe. Allein das gibt es in China nicht. Im entscheidenden Augenblick kam ein Sekretär mit einem Telegramm und meldete, dass soeben die Tante seiner Exzellenz verschieden sei. Schluchzend wurde darauf der alte Herr von zwei Dienern abgeführt, denn es ist Erfordernis der Pietät, bei einem derartigen Schlag zusammenzubrechen und nur auf Diener gestützt sich zu bewegen.
  Zu den merkwürdigen Erscheinungen der Kolonie gehörte ein aus der Mongolei importiertes Kamel, das als ganz kleines Füllen der Messe einer Truppenabteilung geschenkt worden war und dort lange Zeit bei Tisch herumgereicht wurde. Später wurde es zum Abschied von heimkehrenden Truppentransporten aufgezäumt, wobei es sich nach Art der Kamele ungebührlich benahm, bis es endlich groß und wild wurde und einer Dame, die künstliche Blumen auf dem Hut hatte und in einer Rikscha fuhr, durch die ganze Stadt nachlief, um ihren Hut abzuweiden. Darauf musste es als Lastkamel im Laoschan [Gebirge] dienen und wurde bei Kriegsausbruch geschlachtet, damit es nicht in die Hände der Feinde fiele.
  Auf diese gemütlichen Zeiten in der kleinen Kolonie folgten andere, ernstere. Die chinesische Revolution erhob ihr Haupt. Tsingtau blieb ruhig, während überall im chinesischen Reich die Stürme tobten.
  Ich vergesse nie den Augenblick, als ich in meinem Studierzimmer arbeitete und mir ein Gast gemeldet wurde. Aufgeregt, mit verstörter Miene, trat einer meiner Bekannten ein. Ich hatte mich manchmal über daoistische Geheimlehren mit ihm unterhalten. Er war in Tsinanfu Unterrichtskommissar gewesen. Ich schätzte ihn wegen seiner ruhigen starken Persönlichkeit und seiner gründlichen Beherrschung der chinesischen Literatur ungemein hoch und war erstaunt, ihn blass und angegriffen zu sehen. Er war inzwischen Direktor des Arsenals in Shanghai geworden, hatte sich mit Mühe und Not vor den meuternden Soldaten gerettet und war mit seinem Sekretär, einem guten Freund von mir, nach Tsingtau geflüchtet. Die deutsche Verwaltung sah sich nun vor die gewichtige Frage gestellt, wie sie sich zu solchen Flüchtlingen verhalten wollte. Erfreulicherweise stellte man sich auf den richtigen Standpunkt, das Pachtgebiet offen zu halten für Angehörige aller Parteien, die Aufenthalt suchten und sich den Ordnungen des Ortes unterwarfen.
  So kam für Tsingtau eine neue Zeit. Schon durch die Fühlung mit den chinesischen Beamten und mehr noch durch die Gründung der deutsch-chinesischen Hochschule war eine Grundlage gegeben für die Anknüpfung eines geistigen Austauschs. Nachdem der erste Gast freundlich aufgenommen war, folgten ihm andere, und schließlich war das frühere Fischerdorf am Strande des Ostmeeres der Vereinigungspunkt der bedeutendsten Köpfe des alten chinesischen Reichs. Viele bauten sich an und behielten in Tsingtau dauernd ein Sommerquartier, auch nachdem sie sich mit der neuen Lage der Dinge befreundet hatten und sich an dem Aufbau der jungen Republik aktiv beteiligten. In Tsingtau wohnten damals Minister, Generalgouverneure, Gouverneure, höhere Beamte aller Art, Gelehrte und Großindustrielle, und die Wogen des chinesischen Geisteslebens schlugen an den bisher so verlassenen Strand. Es kam zu verschiedenartigen kulturellen und wissenschaftlichen Verbindungen. Regelmäßige Versammlungen in weiterem Kreise fanden statt in den Räumen des prächtig ausgestatteten Klubs der Gilde der Kaufleute aus den Provinzen am Yangtse, Gelehrte und Beamte aus allen Teilen des chinesischen Reichs waren da von der Mongolei und der Provinz Kansu fern im Westen bis nach der südlichsten Provinz Yünnan hin. Von überall her strömten die Träger geistiger Einflüsse zusammen. Außer den ständig in Tsingtau weilenden kamen für kürzere oder längere Zeit bedeutende Besucher durch, so dass man damals in Tsingtau Gelegenheit hatte, wie nirgends sonst in ganz China mit den Höhen der alten Kultur bekannt zu werden. Jene Tage des Zusammenseins von Gelehrten und Staatsmännern aller Richtungen erinnerten an manche solche Höhepunkte in der chinesischen Geschichte, da Gelehrte und Künstler sich trafen.
  Diese Zusammenkünfte führten dann zur zwanglosen Begründung der so genannten Konfuziusvereinigung, der außer mir eine große Anzahl der in Tsingtau befindlichen chinesischen Beamten angehörte. Gelder kamen zusammen. Man baute eine Bibliothek. Man brachte eine größere Anzahl wertvoller chinesischer Werke zusammen. Ein Versammlungsraum und eine Arbeitsstätte wurden damit verbunden. Der Gedanke war, dazu beizutragen, dass die Schätze der chinesischen Kultur, die damals äußerst gefährdet waren, für die Zukunft gerettet würden. Anknüpfung und Zusammenarbeit auf geistigem Gebiet zwischen Ost und West sollten durch Übersetzungen, Vorträge, wissenschaftliche Veröffentlichungen bewirkt werden. Kantsche Schriften wurden ins Chinesische übersetzt, chinesische Klassiker wurden verdeutscht. Man hoffte, dass Tsingtau, das den Stürmen der chinesischen Revolution entnommen blieb, der geeignete Platz sein würde, wo zwischen Berg und Meer in beschaulicher Stille eine aufbauende Arbeit geleistet werden könnte. So waren denn die Hoffnungen der Beteiligten reicht hoch gespannt, als man den Grundstein zu dem Gebäude legte, das im Laufe des Sommers 1914 seiner Vollendung entgegen ging. Es kam dann freilich anders, als man es sich gedacht hatte. Der Krieg brach aus, als das Gebäude eben fertig war. In der Zeit des Krieges, da in Tsingtau Hunderte von deutschen Frauen und Kindern interniert waren, ist die Bibliothek dann sozusagen die Wohnstube der Tsingtauer deutschen Gemeinde geworden. Vorträge, Kinderfeste, Konzerte und Theateraufführungen sorgten dafür, dass die lange Wartezeit erträglich vorüber ging und geistige Anregungen über die Trübsal der Jahre hinweg halfen. So hat der Bau dann doch noch einem Kulturwert gedient und erwies sich als ein schönes Geschenk chinesischer Kultur an deutsche Internierte.
  Lange schon hatte sich der Horizont verdunkelt. Endlich brach der Krieg herein. Wie ein Posaunenstoß fuhr es durch die Luft, und all das blühende Leben stob auseinander. Eben hatte der greise Erzieher des jungen chinesischen Kaisers einen Besuch in Tsingtau gemacht und war mit einigen Freunden in das märchenumsponnene Laoschangebirge gefahren, da schlug wie der Blitz die Verkündung des Belagerungszustandes ein. Mit Mühe gelang es mit, die Herren, die auf offener Landstraße aufgehalten worden waren, frei zu bekommen und sicher auf die Bahn zu bringen, die sie nach Peking zurück nahm. Als der Krieg in Europa erklärt wurde, begann zwar schon die Flucht der ängstlichen Gemüter. Aber die besonneneren Elemente blieben. Man traute Deutschland zu, dass es Tsingtau würde halten können. Mehrere Freunde unter den Chinesen warnten aber schon damals vor Japan, das nur abwarte, ehe es den Krieg erkläre. Schließlich kam auch die japanische Kriegserklärung. Nun war kein Halten mehr. Auch das Gouvernement sprach den Wunsch aus, dass die chinesischen Gäste, soweit sie eine Belagerung nicht mitzumachen wünschten, sich in geschütztere Regionen begeben. Der Andrang nach der Bahn war unbeschreiblich. Ich richtete mit meinen Freunden eine Filiale des chinesischen Roten Kreuzes ein, zu der auch die deutsche Regierung ihre Zustimmung gab. Die erste Tätigkeit dieser Organisation bestand darin, den Nichtkombattanten zu sicherem Abzug zu verhelfen. Das war nicht immer ganz leicht, denn einzelne Polizisten hatten den Kopf verloren und requirierten alles, was ihnen an Wagen, Autos, Fahrrädern auf der Straße begegnete, und als sie Arbeiter für die Festungswerke beschaffen sollten, begannen sie aufzugreifen, wen sie des Weges kommen sahen. Da aber die höheren deutschen Beamten voll guten Willens waren, so gelang es ohne große Schwierigkeit, unfreiwillig Aufgegriffene wieder los zu bekommen. Natürlich steigerten diese Erlebnisse die Panik noch mehr. Doch gelang es dank dem verständnisvollen Zusammenwirken der in Betracht kommenden Stellen, alle Abwanderer in Sicherheit zu bringen. Besonders schlimm war, als in den ersten Tagen des Krieges sintflutartige Monsunregen einsetzten, die bald die Bahnlinie überschwemmten und beschädigten, so dass der Verkehr über Land eingestellt werden musste. Ein reicher Shanghaier bestellte dann unter allseitigem Einverständnis der Krieg führenden Mächte einen chinesischen Dampfer für sich und seine Familie. Er hatte auch die Erlaubnis gegeben, dass sonst noch einige Chinesen mitgenommen werden sollten. Ein unglaubliches Gedränge war die Folge. Kaum hatte der Dampfer angelegt, war er schon von Tausenden von Passagieren besetzt. Szenen von namenloser Aufregung kamen vor. Ein Kaufmann stand an Bord, aber sein Gepäck konnte von den Trägern nicht durch das Gewühl geschafft werden. Er schrei, befahl, drohte, nichts half. Schließlich sprang er fortwährend wohl drei bis vier Fuß in die Höhe. Ich habe nie einen Menschen in solcher Ekstase gesehen. Als dann der Besitzer des Schiffes ankam, war es so voll, dass es nur mit größter Mühe gelang, ihm noch einen Platz zu verschaffen. Endlich war auch dieses letzte Schiff fort und in Sicherheit.
  Unter den Flüchtlingen befanden sich merkwürdige Gestalten. Besonders ist mir noch in Erinnerung ein gewisser Hung Schu Tsu. Er war des Mordes an dem Führer der Südpartei der Republikaner, Sung Kiao Jen, beschuldigt und hatte sich nach Tsingtau geflüchtet. Er war ein schwerer, fetter Mann. Er hatte sofort das Haus eines Beamten gekauft, weil er sich darin sicherer fühlte. Aber er war das Bild eines von Furien gepeinigten bösen Gewissens. Keinem konnte er in die Augen sehen. Die trockene Zunge beleckte fortwährend die ausgedörrten Lippen in vergebenem Bemühen sie anzufeuchten. Er war in steter Furcht ausgewiesen zu werden, denn dann war er des Todes. Die Kriegsfurcht erwies sich aber schließlich doch als stärker. Er kam auch zu mir, dass ich ihm eine Fahrkarte besorgen sollte. Ich fragte ihn, ob er sich nicht doch in Tsingtau sicherer fühle. Er verneinte und sagte, er sei für alle Fälle gerüstet. Er hatte sich nämlich von einem deutschen Arzt ein Zeugnis ausstellen lassen, dass er nicht geköpft werden könne, da er eine große Geschwulst am Halse habe. Schließlich hat ihn aber doch sein Schicksal erreicht. Der Sohn des Ermordeten hat ihn aufgegriffen. Es wurde ihm dann der Prozess gemacht, und trotz des ärztlichen Zeugnisses wurde er zum Tode durch den Strang verurteilt. Das bekam ihm aber nicht gut, denn richtig ging dabei der Kopf ab, und der Leib fiel schwer zur Erde. Für das chinesische Gefühl bedeutete das eine große juristische Schwierigkeit, denn die Trennung des Kopfes vom Leib gilt wegen der unangenehmen Folgen im Jenseits als härtere Strafe als einfaches Hängen. Die Familie soll die Sache anhängig gemacht haben, und es heißt, sie habe Schadenersatz bekommen, und man habe den Kopf nachträglich wieder angenäht.
  Wie ein wirrer Traum gingen jene Tage vorüber. Nur wenige Freunde waren zurück geblieben: Prinz Kung und Kao Tiän Yüan, der mir die ganze Zeit des Krieges über bei der Verwaltung des Roten Kreuzes und der Fortführung der chinesischen Schule treu zur Seite stand. Es war ein eigentümlicher Gegensatz, wie auf das Gewühl eine Totenstille folgte, die nur unterbrochen war durch das Dröhnen der Geschütze, das unheimlich durch die Straßen hallte. Auch nachdem die Schrecken der Beschießung vorüber waren und Tsingtau von den Japanern erobert war, kam das alte Leben nicht wieder. Einige der Gelehrten blieben wohl wohnen, andere kamen zu kurzem Sommeraufenthalt. Aber es war eine andere Zeit. Die Alten von Tsingtau waren zerstoben in alle Winde.

Wilhelm, Richard
Die Seele Chinas
Berlin 1926

Abgedruckt in:
Keller, Ulrike (Hg.)
Reisende in China seit 630
Wien 2006

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