Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1869 - Ferdinand von Richthofen
In der Porzellanstadt
Jingdezhen, Provinz Jianxi

King tö tschönn [der Zusatz tschönn steht für Marktflecken] liegt am linken Ufer des Tschangkiang [Gan Jiang]. Dieser Fluss ist in den letzten 20 Li unterhalb des Ortes einem Gebirgszug nahezu parallel, dessen mächtige Formen, zu etwa 800 m aufsteigend, der Landschaft den Charakter geben. Plötzlich wendet sich der Fluss (stromaufwärts) um einen Vorsprung. In dieser Strecke liegt Kingtö.
    Zwei mächtige Türme, von Schießscharten siebartig durchbohrt, bezeichnen den Anfang. Der Fluss ist hier 120 m breit; am rechten Ufer sind 50m hohe Hügel aus steil stehenden zusammengefalteten Schiefern oder Sandstein, die oben mit Schotter und Lehm bedeckt sind. Hier landeten wir. Man macht hier einen Teil der Ziegelsteine für die Porzellanöfen, andere kommen den Fluss herab. Von den Höhen aus übersieht man die Stadt. Es ist ein großer Ort, zieht sich wohl für 5-6 km am Ufer hin und hat eine erhebliche Breite. Die aus Essen aufsteigenden Feuer und schwarze Rauchsäulen zeigen die Lage der einzelnen Öfen an.
    Wir fuhren morgens auf die Kingtö-Seite hinüber. Das Ufer ist fast 10 m hoch und besteht zum großen Teil aus Halden von Form- und Topf-Scherben. Nach der Wasserfront mündet eine Menge gerader und paralleler Gassen, von denen zahllose Gässchen (meist Sackgassen) im rechten Winkel abgehen. Die Seiten der Gassen bestehen aus hohen Wänden von roten Ziegelsteinen mit Nischen, die mit Abfall der Porzellanbereitung ausgemauert sind. Hier und da führt eine enge Tür nach einem Etablissement. Wir gingen in ein und das andere hinein. Hier wurde der Ton geschlemmt und geformt, die Gefäße dann auf Bretter gesetzt und lufttrocken gemacht; dann werden sie nach dem Ofen getragen. Es waren sämtlich Gefäße von geringer Qualität. Sie erhalten in der Brennerei erst einen weißen Porzellanglasur-Überzug durch Eintauchen in eine Lösung von Kimönn-Petunse [Kaolin, nach dem Berg benannt, wo es abgebaut wurde] und werden dann gebrannt. Es soll 150 Öfen geben, die jetzt in Tätigkeit sind; von jedem hängen mehrere dieser kleinen Etablissements ab. Alles ist klein verteilte Arbeit, nichts Ganzes und Großes, wie man in Europa die Porzellan-Fabrikation zu sehen gewohnt ist.
    Auf der Gasse waren erst wenige Leute, aber es war, als sei ein Wespennest aufgestört worden. Hunderte und Hunderte kamen aus allen Winkeln hervor, als ob sie gerade aus den Mauern wüchsen. Bald waren die Straßen von Menschen voll gedrängt. Die große Masse schob uns vorwärts einem der Öfen zu. Eine kleine Tür führte in den Hof. Die Menge war schon aufgeregt und schrie aus Leibeskräften. Da verging mir doch der Mut! Hinein in die kleine Tür konnten wir schon, aber wie hinaus, wenn alles nachdrang und der Knäuel von Menschen noch anwuchs? Dies konnte uns in die übelste Lage bringen. Wir wandten uns darum nach dem Boot zurück, von dem wir weit entfernt waren. Noch immer wuchsen die Scharen an. Wir hatten zwischen zwei Halden an den steilen Ufern hinab zu gehen; auf diese postierte sich die tobende und schreiende Menschenmasse. Es war ein Heidenlärm, und wir erwarteten, die Scherben der Halden an unsere Köpfe fliegen zu sehen; doch erreichten wir das Boot mit heiler Haut.
    Da wir aber noch warten mussten, bis unser Bootsmann von einigen Einkäufen zurückkehrte, wurden alle nächsten Boote dicht besetzt, und wir mussten ganz in den Fluss hinaus flüchten, konnten jedoch auch hier nicht bleiben und fuhren stromaufwärts bis zur Front des kaufmännischen Teiles der Stadt.
    Ich hatte von Mingschan aus einen Brief an einen Hong [Handelshaus] erhalten und schickte nun den Boy dorthin. Er blieb lange aus. Unterdessen versammelte sich eine stetig wachsende Menschenmenge, die bald die nächsten Boote besetzte und auf das unsrige zukam. Wir wurden so bedrängt, dass wir wieder fort mussten und nach dem gegenüber liegenden Ufer fuhren. Endlich kam der Boy mit einem Jungen des Hong zurück. Wir fuhren hinüber, um sie abzuholen, aber die Menge rief diesem Jungen zu, sie würden ihn dafür, dass er mit uns ginge, tot schlagen, ebenso den Lauda [Bootsführer]. Viele Steine flogen dabei um unsere Köpfe und auf die Matten des Boots. Der Junge schrie, und wir mussten ihn absetzen. Darauf gingen wir wieder zurück nach dem jenseitigen Ufer, wo wir Ruhe zu haben hofften. Aber bald fanden wir uns von einer Schar kleiner Boote ganz planmäßig umzingelt und sahen von der Stadtseite mehrere Boote mit starker Bemannung abstoßen und auf uns zu kommen. Da mussten wir flüchten; denn wenn die Leute auch weiter nichts wollten als uns anfahren, an Bord kommen, uns sehen und vielleicht einen kleinen Row [Streit] anfangen, so hätten wir sie doch mit Gewalt fortbringen müssen, und damit wäre der Konflikt heraufbeschworen worden. Es begann nun eine Wettfahrt stromaufwärts: wir voran, die anderen hinterher. Sie fielen ab, borgten sich aber mehr Bambusstäbe und kamen uns näher und näher.
    Es waren nun schon 6 oder 7 stark bemannte Schiffe geworden. Als die ersten uns eben erreichten, rief uns vom Ufer ein Mann zu, der uns lange nachgelaufen war: Er sei ein Mandarin-Soldat, bestellt, um uns zu schützen. Wir nahmen ihn an Bord, ebenso den alten Vertreter des befreundeten Hong, der mit ihm kam. Diese beiden Leute hatten auch wirklich einige Autorität und hielten unsere Verfolger davon ab, an Bord zu kommen. Nun ging es mit ihnen zurück nach der Stadtseite in die Nähe des Hong. Eine ungeheure Menschenmenge war versammelt. Ziemlich determiniert zogen uns Soldat und Kaufmann mit eigener Gefahr durch die Menge nach dem Hong hin. Wir traten ein, die Türen wurden geschlossen. Man lud uns ein, dort zu wohnen, und bot uns ein Schlafzimmer an. Der Soldat bedauerte, dass der Mandarin aus sei und erst morgen zurückkommen würde, sonst würde er uns gewiss zu sich einladen.
    Draußen tobte die Menge; innen saßen wir zusammen, tranken Tee und unterhielten uns friedlich. Ein halbes Dutzend Frauen drängten mit kreischender Stimme etwaige Eindringlinge erfolgreich zurück. Man gab uns Freundschaftsversicherungen, sprach die Hoffnung aus, wir würden lange bleiben und durch oftmaliges Erscheinen auf der Straße die Neugier beschwichtigen. Ich setzte dem bald einen Dämpfer auf, indem ich dem Kaufmann zu seiner bittern Enttäuschung sagte, dass ich nicht gekommen sei, um zu kaufen. Dem Soldaten bedeutete ich, dass der zweite Mandarin durch persönliches Erscheinen willkommen sein würde, um den Pass zu sehen, und dass ich im Yamen [Sitz der Verwaltung] sicherer wohnen würde. Dies stimmte beide Parteien kühler, und man verabredete einen Plan, uns wieder los zu werden und an Bord zu bringen. Bisher hatte ich wiederholt Befürchtungen wegen des Gepäcks ausgesprochen, das nach dem Hong gebracht werden sollte.
    Dies wurde nun benutzt. Man sagte uns, wir möchten uns der Menge auf der Straße zeigen; das würde die Leute beruhigen. Als wir uns gezeigt und mit ihnen gesprochen hatten, sagte man uns weiterhin, es würde doch besser sein, wenn wir selbst nach dem Gepäck sähen, da es nicht ganz sicher wäre. Unter dem wüsten Geschrei und Zischen der tobenden Menge gingen wir also mit unsern Beschützern an Bord zurück.
    Hier waren sorgfältig Bretter von Schiff zu Schiff bis auf das unsrige gelegt, und das Gepäck war unberührt. Ich merkte nun die Falle, in die man uns gelockt hatte, remonstrierte aber nicht, da ich jedenfalls an Bord besser daran war als in der Stadt.
    Mittag war herangekommen. Wir fuhren mit dem Soldaten und dem Kaufmann nach dem jenseitigen Ufer zurück und erfuhren dort, dass heute ein Tag sei, an dem nicht gearbeitet und viel getrunken werde, daher seien die Menschen aufgeregter als gewöhnlich. Wir bekamen viel Besuch von Neugierigen, die uns zu sehen wünschten, und hatten lange nichts weiter zu tun, als das Boot klar zu halten.
    Ich beschloss jetzt, nicht in King tö tschönn zu bleiben. Man müsste, um hinreichende Informationen zu erhalten, 14 Tage auf den Besuch verwenden; bei flüchtigem Besuch wäre gar nichts zu lernen. Ich bestellte daher Tragstühle und Packträger, um nach Kau ling und Ki mönn zu gehen. Der Kaufmann ging nach der Stadt, kehrte aber bald mit der Nachricht exorbitanter Forderungen zurück. Ich mietete daher ein Boot nach Ki mönn.
    Als wir vor Sonnenuntergang noch einmal einen Gang in einige Porzellanwerke machen wollten, begann eine neue Hetzjagd. Ein halbes Dutzend großer Boote, jedes von einer lärmenden Menge besetzt, stieß ab, um zu uns zu kommen. Meine neuen Bootsleute bezeichneten sie als gefährlich, da sie zur Abendstunde kämen. Wir stießen ab und fuhren stromaufwärts, die anderen nach; sie fielen aber ab, landeten dann, gingen am Ufer weiter und erreichten so auch bald unseren neuen Ankerplatz. Also mussten wir wieder fort und nach der Stadtseite hinüberfahren, wo wir unter einer Menge kleiner Boote lagen.
    Es war inzwischen finster geworden. Nach einiger Zeit fanden sich unsere Verfolger doch bei uns ein, und einige von ihnen kamen an Bord, ehe wir es hindern konnten. Sie fanden aber einen schlechten Empfang, zumal mehrere von ihnen betrunken waren. Es waren ihrer immerhin zu viele, und sie begannen mit Steinen zu werfen. Nun verließen wir abermals den Standort und gingen an das jenseitige Ufer zurück. Auch dort wurden wir überrumpelt. So ging die komische Jagd noch eine Weile fort, bis wir flohen, um Gewalt von unserer Seite zu vermeiden, die zu Gewalt von Seiten der großen Menge hätte führen können. Endlich um 8 Uhr abends fanden wir ein stilles Plätzchen unter gleich gebauten Booten von Ki mönn. Es gibt hier so viel schlechtes Gesindel, dass nach 8 Uhr niemand auf der Straße sein darf. Es sollen nicht weniger als zwanzig Mandarine da sein, um Ordnung zu halten.
    King tö tschönn ist ein großer Ort ohne Mauer, aber mit einigen befestigten Türmen. Es ist eigentlich keine Stadt und hat seine besondere Verwaltung. Niemand vermochte die Zahl der Einwohner zu nennen. Der Ort ist übrigens von seiner früheren Größe und Blüte sehr heruntergekommen. Die Taipings schlossen ihn von allen Seiten ein und sollen zwei Drittel der Bevölkerung niedergemacht haben; die hübschen Frauen und Mädchen und die Jungen von 15-16 Jahren nahmen sie mit. Seitdem hat sich der Ort nicht mehr erholt. Vorher wurde die Bevölkerung auf 1.000.000, jetzt wird sie zu 200.000 geschätzt, darunter angeblich 80.000 Arbeiter (Männer, Weiber und Kinder).
    Früher wurde in King-tö-tschönn alles Porzellan von China gemacht und nach Kanton, Tschingkiang und Hankou als den Hauptmärkten gebracht. Jetzt geht nichts mehr nach Kanton, da dort eine eigene Fabrik besteht. Auch Schau hing und andere Orte machen jetzt Konkurrenz. Man hat daher Fremde, zu denen auch Kantonesen und Leute aus der Provinz gezählt werden, immer mit Misstrauen betrachtet, da man meint, sie stehlen das Geheimnis.
    Die Geschichte von King tö tschönn als Porzellanort geht bis 800 v. Chr. zurück; seinen Namen hat es nach dem Kaiser Kingtö (um 1000 v. Chr.) erhalten. Das außerordentliche Alter und der Umfang der Fabrikation geben sich an der Zahl und der Größe der Scherbenfelder kund und in dem Flussschotter, der bis 30 Li hinab zur Hälfte aus Scherben besteht.
    Das Material zur Porzellanfabrikation kommt bei King tö tschönn selbst nicht vor, sondern wird aus allen Himmelsrichtungen herbeigeführt. Es liegen in Kingtö viele Tausende meist sehr kleiner Boote, die beständig abladen: hauptsächlich die verschiedenen Erden, die gebrannt werden, dann Ziegelsteine, Lebensmittel usw. Augenfällig sind besonders die zahlreichen Boote mit Brennmaterial. Kohle von Loping, die einzige, die verwendet wird, spielt dabei eine kleine Rolle. Das meiste ist trockenes Reisig, das auf dem Fluss herabkommt, und Hunderte von Booten haben nichts als Farnkraut mit ein oder zwei anderen strauchartigen Pflanzen. Der Bericht von Dentrecolles (bei Du Halde) und von Morrison über die Verwendung von Farnkraut-Asche zur Glasur scheint also doch richtig zu sein. Es steigt aus der Stadt fortdauernd eine Menge dicker schwarzer Rauchsäulen auf. Littledale sah gar keinen Rauch; er spricht von weißer Kohle, die keinen Rauch gebe, diese existiert aber nicht.
    Ein großer Teil des Materials kommt auch stromaufwärts über Yautschou fu, meist Erden für ordinäre Waren. Eine feine weiße Erde, die besonders geschätzt und angeblich zu Glasur verwendet wird, kommt von Matsunyau, das 100 Li nördlich von King tö liegt und zu Wasser und zu Lande zu erreichen ist. Morrison sagt, dass Matsun schon gegen das Jahr 1000 ausgearbeitet worden sei, früher habe es die beste Erde geliefert; es mag sein, dass sie jetzt nicht mehr so gut ist. Jetzt kommt die beste Erde von Ki mönn. Noch andere Stoffe, besonders die Farben, kommen über Yau tschou. Ich bestellte eine Sammlung von allen Sorten Erde, Glasur, Farben usw. mit Angabe des chinesischen Namens und des Fundortes. Es wurde mir aber gesagt, der Mandarin müsse dazu seine Erlaubnis geben, und er würde nicht vor fünf Tagen – heute früh war es nur ein Tag gewesen! – zurück kommen. Besonders eifersüchtig scheint man auf die Mitteilung des Farbenmaterials zu sein. Auch später ist es anderen nicht gelungen, eine solche Sammlung zu veranstalten, und vergeblich waren die Anstrengungen, zur Wiener Weltausstellung das Material von King tö vollständig zu erhalten. Ich erhielt immerhin eine kleine Sammlung, die fünf Arten Erde enthält. Bei weitem das meiste Material kommt zu Wasser von Ki mönn herab, wo ich es noch kennen zu lernen hoffe. Was den berühmten Ort Kau ling betrifft, so gibt es ein halbes Dutzend Berge dieses Namens bei King tö. Der bekannte ist 90 Li nordöstlich gelegen, hat aber jetzt keinen Ruf mehr. Noch immer kommt freilich viel Erde von dort herab, aber sie ist von geringerer Qualität als die von Ki mönn.
    So endete also mein Besuch in King tö tschönn, und heute ging es weiter zu Boot, den Tschangkiang aufwärts. Die Landschaft ist hügelig, der Lauf des Flusses gewunden; zuweilen steht an beiden Ufern gewachsenes Gestein, zuweilen trägt die innere Seite der Krümmungen eine bis 30 m hohe Schotterterrasse mit hügeliger Oberfläche.
    Außerhalb von King tö tschönn kamen wir erst noch an einem alten Festungsturm und mehreren neuen Festungswerken vorüber, die gegen die Taipings errichtet wurden. In malerischer Lage präsentiert sich der ehemalige Sitz eines Mandarins: wie eine Zwingburg gelegen, von Wällen und natürlicher Befestigung umgeben.
    Nach 30 Li kommt man zu einer achtstöckigen Pagode (gerade Zahl!) und einige Li weiter nach Fou liang hsien am rechten Ufer. Von dieser Stadt waren aber nur die Mauern sichtbar; sie soll sehr tot sein und nur Kleinhandel haben. Viele Leute kamen heraus, um uns zu sehen. Hier mündet der Tung tschang hö von Osten, ein kleiner reißender Bach, an dessen Ursprung der Kauling (-Paß) liegt; dahin ist es 60 Li zu Lande, 70 Li zu Wasser. Dort erhebt sich ein größeres Gebirge, aus dessen verschiedenen Teilen die Erden für King tö gewonnen werden. Der Bach soll höchst gefährlich zu befahren sein, da er weiter hinauf sehr wild ist; dennoch kommt jeden Morgen eine Flotille von Booten herab, um die Erde nach King tö zu bringen.
    Ich beabsichtigte, Kau ling seines Rufes wegen zu besuchen, um die Gesteine auf ihren Lagerstätten zu sehen; aber die Tour würde drei Tage brauchen, und ich höre allgemein, dass Kau ling seines Rufes nicht mehr wert sei und von Ki mönn weit überflügelt werde. Darum fuhr ich weiter. 15 Li von Fou liang kamen wir zu einem Pochwerk. Es wird hier Gestein von Yü kann hsien (20 Li östlich von dieser Stadt) gepocht, das auf Booten hierher gebracht wird, da hier Wasserkraft ist.
    Der Fluss ist durch ein 1 m hohes Wehr abgedämmt. Das Wasser treibt vier unterschlächtige, aus leichten Stäben gebaute Räder von 5 1/2 m Durchmesser, die mit Bambusgeflecht zusammengehalten werden. Jedes Rad dreht eine Walze von 7 1/2 m Länge, und diese bewegt 18 Hämmer mit 4 Anhüben in einer Umdrehung. Die Walze dreht sich 5 Mal in der Minute und lässt daher den Hammer 20 Mal in der Minute aus einer Höhe von über 1 m niederfallen. Die Hämmer sind von Holz. Jeder hat seinen eigenen Pochtrog: einen Holzboden mit Holz- oder Steineinfassung. Die Steine werden vorher nussgroß geschlagen. Das Pochmehl – es wird trocken gepocht – wird dann geschlämmt. Man wirft den geschlämmten Ton auf Haufen, lässt die Feuchtigkeit durch Ziegelsteine aufsaugen, formt ihn in Stücke von 3 Zoll im Quadrat und 1 Zoll Dicke und trocknet diese an der Luft. Der hier bereitete Stoff ist für die Bereitung von Porzellan für kaiserlichen Gebrauch bestimmt und trägt einen entsprechenden Stempel. Ein anwesender kaiserlicher Soldat, der darauf zu achten hat, dass kein Stück in falsche Hände kommt, war ängstlich besorgt, mich nicht ein Stück kaiserlichen Porzellans haben zu lassen, obgleich ich ihm Geld bot; doch genügte schließlich das Auskratzen des kaiserlichen Stempels, um mich in den Besitz einiger Proben zu setzen.

Richthofen, Ferdinand von
Tagebücher aus China
Band1, Berlin 1907

Abgedruckt in:
Keller, Ulrike (Hg.)
Reisende in China seit 630
Wien 2006

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