Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1905 - Ludwig Burchardt
Dubai

Die Nacht zum 11. Februar blieben wir in der Nähe von Dobbai vor Anker, da die Einfahrt in den Hafen schwierig ist. Derselbe besteht aus einer sich tief ins Land hineinziehenden Bucht mit schmalem Eingange und ist der einzige wirklich geschützte Hafen an dieser Küste, natürlich nur für kleine Segler benutzbar.
   Schech Machtum, den ich sofort aufsuchte, war gerade abwesend. Sein Sohn, ein ganz junger Mensch, schien mürrisch und fremdenfeindlich; ihm übergab ich ein Empfehlungsschreiben des Schech von Abu Thubby. Nach dem üblichen Fukk Er Rik und Kaffee wies man mir eine Hütte unweit vom Eingang des Hauses an. Vom Übelwollen des jungen Schech hatte ich bald Beweise. Er weigerte sich, mir einen seiner Leute auf Spaziergängen mitzugeben; auch verbot er mir das Photographieren, sich auf einen Befehl seines Vaters berufend, in dessen Abwesenheit keinerlei Entscheidung zu treffen sei. Ein dem jungen Schech als Berater zugeteilter alter Mann, eine Art Vezir, war zwar freundlicher, gab aber vor, nichts tun zu können. Ich konnte froh sein, daß man mich überhaupt umhergehen ließ.
   Dobbay besteht aus drei Teilen: 1. Das eigentliche Dobbay mit dem Souk der Banian, der großen Moschee und den Ruinen eines portugiesischen Kastells. Eine ganze Anzahl Türme, welche den Platz gegen Angriffe von der Landseite her verteidigten, ziehen sich um den Ort herum. 2. Der südliche Teil Schindera mit dem Kosr (Schloß) des Schech. 3. Dere, auf einer langen, schmalen Landzunge gelegen, die vom Hafen und vom Meer begrenzt wird. Hier befindet sich der sehr bedeutende Markt mit seinen großen, sauber gehaltenen Straßen. Ich sah viele Waren mit der Aufschrift „made in Germany", hauptsächlich emailliertes Eisengeschirr. Alle Arten englischer Cakes und Drops waren erhältlich, was auf einen gewissen Wohlstand schließen läßt. Zur Erleichterung des Verkehrs war sogar ein kleiner, steinerner Quai vorhanden.
   Ich hörte, der Schech habe schlauerweise auf die ihm zustehenden 5 Prozent Einfuhrzoll verzichtet und Dobbay zum Freihafen erklärt. Viele Kaufleute hätten sich infolgedessen hier angesiedelt. Da der ganze Grund und Boden dem Schech gehöre, beziehe er durch Vermieten von Häusern und Läden ein größeres Einkommen als der Zoll eingebracht hätte.
   Auch hier bestand der größere Teil der Bewohner aus Sklaven. Fälle schlechter Behandlung kommen kaum vor; auch den Schwarzen ist wohlbekannt, daß sie frei seien, falls es ihnen gelingt, nach Bahrein oder Maskat zu kommen und dort vom britischen Vertreter einen Freibrief zu nehmen. Ein Schwarzer brachte mir heimlich einen Brief für den britischen Agenten in Maskat; er beschwerte sich, daß man seinen Bruder wider dessen Willen nach Schardja verkauft habe.
   Die Einwohner, besonders aber einige gerade aus dem Innern angelangte Araber, ließen mich keinen Augenblick ungestört. Gleich nach Sonnenaufgang pflegte sich der lästige Besuch einzustellen, neugierig meine Sachen untersuchend; alles sollte ich immer und immer erklären. Gar bald hatte man gemerkt, wie sehr mir das ewige Zeigen meiner Photos lästig geworden und fragte deshalb gerade darnach; den kleinen Sohn des Schech stiftete man förmlich dazu an. Photographieren war mir, wie schon erwähnt, verboten; aber beim Zeigen und Erklären des Apparats gelang es mir, einen der aus Bereima gekommenen Araber auf der Platte festzuhalten. Es war einer der Frechsten, stahl mir sogar, sich unbemerkt glaubend, einen Löffel.
   Auf Spaziergängen bewarfen uns die Kinder oft mit Steinen und Kot, ohne daß beistehende Erwachsene sie davon abgehalten hätten.
   Als einst unser Erscheinen auf dem Fischmarkte großes Halloh hervorrief und eine schwarze Sklavin durch Schreien und Lachen ganz besonders lästig fiel, wurde mein Damascener Diener ärgerlich und sagte zu ihr, auf einen Esel deutend: „Sieh mal diesen Esel, du bist nichts Besseres als er; dein Herr, wenn er Lust hat, verkauft dich, wie man solch einen Esel verkauft. Du hast doch gar keinen Grund, dich über andere lustig zu machen.“ Zu ernsteren Belästigungen oder gar Gewalttätigkeiten kam es jedoch nie; das lag auch wohl kaum in der Absicht der Leute, denn meine abgelegene, gänzlich unbewachte Hütte hätte dazu leicht Gelegenheit geboten.

Burchardt, Ludwig
Ost-Arabien von Basra bis Maskat auf Grund eigener Reisen
In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1906

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