Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1895 - James Theodore Bent
Im Weihrauchland
Dhofar, Oman

Nach ein paar Tagen Aufenthalt unter dem gastfreundlichen Dach des Wali Suleiman in AI Hafa wurden die Vorbereitungen für unsere Expedition ins Landesinnere getroffen. Zu unserer Sicherheit hatte der Wali 17 Scheichs oder Familienoberhäupter des Gara-Stammes herbeigerufen, die die Herren über das gebirgige Gebiet hinter der Ebene bis zur Nedjd-Wüste sind. Sie kamen auch alle und brachten Kamele zum Transport unserer Gruppe und unseres Gepäcks. Die gesamte Reisegruppe wurde einem Scheich mit Namen Sayel unterstellt. Er war ein alter, grauhaariger, drahtiger Mann, nur mit einem Lendentuch bekleidet, aber so reich an Viehherden, daß alle anderen ihn mit großem Respekt behandelten und als Scheich aller Garas bezeichneten. Er besitzt siebzig Kamele, jedes 500 Rupien wert, und unzählbar viele Kühe, Schafe und Ziegen.
   Niemals in unserem Leben hatten wir es mit so wilden Männern zu tun wie mit denen, die unsere Eskorte bildeten. Sie hatten langes, ungekämmtes Haar, zusammengebunden mit einem Lederstreifen, der wie eine Stiefelschnur aussah. Jeder trug einen hölzernen Schild, Gohb genannt, der so gebaut war, daß man ihn umdrehen und darauf sitzen konnte, dann einen hölzernen Speer mit Spitzen an beiden Enden, Qhatrif genannt, den es nur bei den Gara gibt und den sie mit bemerkenswerter Geschicklichkeit benutzen, und ein flaches eisernes Schwert, Saif genannt. Einige wenige hatten auch eine Flinte.
   Diese wilden Männer nun waren während unserer Wanderungen in der Regel freundlich, aber ausgesprochen eigenständig. Wenn wir sie um etwas baten, antworteten sie, sie seien Scheichs und keine Sklaven; und sobald wir den Einflußbereich des Wali Suleiman verlassen hatten, kümmerten sie sich nicht im geringsten um die Befehle der Soldaten, die der Wali uns mitgegeben hatte, und solange wir bei ihnen waren, hatten wir das unerfreuliche Gefühl, daß wir ganz in ihrer Macht standen. Sie marschierten so lange, wie sie wollten; sie brachten uns nur dorthin, wohin sie wollten, und sie rückten uns ungemütlich nah. Nur mit Schwierigkeiten konnten wir sie aus unserem Zelt heraushalten, und wenn wir sie baten, nachts nicht zu singen, damit wir schlafen könnten, sangen sie erst recht drauflos. Sie hatten unsere Vornamen mitbekommen und benutzten sie zu unserem Ärger auch. Geld hatte für sie keine Bedeutung, und das einzige, womit wir sie locken konnten, war Medizin. Sie waren in meine Medizinkiste richtig verliebt und verbrauchten auf dieser Reise eine unglaubliche Menge an Pillen, Chinin und anderen Leckerbissen. Zunächst kauten sie die Pillen, mit fatalen Folgen, aber wir hatten ihnen bald beigebracht, sie zu schlucken, wie es eigentlich üblich ist. Jeden Abend gab es eine Warteschlange von Leuten, die verarztet werden wollten, und mit dieser schwachen Waffe behielten wir sie im Griff. Ganz bestimmt ging es ihnen bei uns gut, und schließlich waren wir auch überzeugt, daß sie uns alles zeigten, was in ihrem Land sehenswert war, aber zunächst hatten wir starke Zweifel. Während des Marsches unterhielten sie sich freundlich mit uns, bekamen aber bei der kleinsten Gelegenheit wilde Wutausbrüche; und was sie uns über ihr Land erzählten, klang beim zweiten Mal ganz anders.
   Die Garas unterscheiden sich nach Charakter und Aussehen von allen anderen Einheimischen, die ich jemals getroffen habe; im Aussehen ähneln sie den Beduinen des Hadramaut, klein, lebendig und mit feinen Zügen, aber sie sind viel wilder und weniger an den Kontakt mit der Zivilisation gewöhnt. Sie leben meistens in Höhlen und unter Bäumen und benutzen nur Schilfhütten, wenn sie während der Regenzeit mit ihren Herden hinunter in die Ebene kommen.
   Genauso wild wie ihre Herren sind die Kamele der Garas. Sie sprangen herum wie Antilopen und machten gräßliche Geräusche, wenn sie beladen wurden, und wir hatten große Probleme, unser Gepäck auf ihnen festzuzurren. Die Beduinen verstanden nichts vom Beladen der Kamele. Sie hatten keine Stricke oder Riemen bei sich, die wir aber glücklicherweise vom Wali bekommen hatten, und während der ersten Reisetage wurde fast alles Gepäck abgeworfen und beschädigt; ein ausgerissenes und verschrecktes Kamel, das seine abgeworfene Last hinter sich her über die Steine und durch die Dornen zog, war kein ungewöhnlicher Anblick. Im Hadramaut hatten wir uns gewundert, daß Kamele Fisch fressen; hier in Dhofar wunderten wir uns, daß Kamele mit großem Vergnügen Knochen fraßen; wenn sie welche am Wegesrand sahen, konnte nichts und niemand sie davon abbringen, sich darüber herzumachen.
   Auch die Reitkamele waren wild, wie wir unter Schmerzen feststellen mußten. Wir alle stürzten ernsthaft und schätzten uns glücklich, weil wir uns keine Knochen brachen. Das fruchtbare Hochland der Garas ist berühmt für seine Kamelzucht, aber sie nutzen die Kamele nicht selbst, außer um Weihrauch an die Küste zu bringen; deshalb gibt es keine Handelswege oder Verbindungen mit dem Landesinneren durch ihr Gebiet.
   So waren unsere Hauptschwierigkeiten bei unserer Reise durch das Gara-Land beschaffen, aber da wir keine Angst um unsere Sicherheit und vor Angriffen feindlicher Stämme haben mußten, fühlten wir uns unendlich besser als im Hadramaut.
   Wir verließen AI Hafa am 30. Dezember; unser erster Tagesmarsch brachte uns in die Nähe von Kap Risut, vorbei an einigen antiken Ruinenstädten von geringer Bedeutung. Bei Kap Risut gibt es einen Landstrich, der mit Weihrauchbäumen bestanden ist, die leuchtendgrüne Blätter wie Eschen und kleine grüne Blüten und unscheinbare Früchte tragen. Der Weihrauch, die alte Handelsware dieses Gebietes, wird noch an drei Stellen in den Gara-Bergen gesammelt. Den besten bekommt man an den Stellen, die Hoye und Haski genannt werden; sie liegen etwa vier Tagesreisen von Mirbat entfernt im Hinterland, wo die Gara-Berge in die Wüste Nedjd abfallen. Der zweitbeste kommt vom Kap Risut, und auch an einem Ort weiter westlich vom Kap, Chiseri genannt, kann man Weihrauch von bemerkenswerter Qualität bekommen. Weiter im Westen, im Mahri-Land, wird er nicht mehr gewonnen, weil er dort bei weitem nicht so gut ist. Die beste Qualität wird »Leban Lakt« genannt, die zweitbeste »Leban Resimi«; etwa 9.000 Tonnen werden pro Jahr exportiert und nach Bombay geschickt.
   Der Weihrauch wird nur in der heißen Jahreszeit gewonnen, bevor der Regen kommt; das ist in den Monaten März, April und Mai. Während der Regenzeit sind die Pfade in den Gara-Bergen nicht passierbar. Der Stamm des Baumes wird eingeschnitten, und nach sieben Tagen wird das Harz, das ausgetreten ist, eingesammelt. Das wird drei- oder viermal pro Monat gemacht. Wenn es kühler ist, tritt das Harz nur langsam aus, und die Bäume werden in Ruhe gelassen. Die Bäume gehören den verschiedenen Gara-Familien, jeder ist markiert und seinem Besitzer bekannt. Das Produkt wird im Ganzen an Kaufleute indischer Abstammung verkauft, die kurz vor dem Monsun nach Dhofar kommen, um es abzuholen.
   Natürlich interessierte uns dieser uralte und immer noch existierende Handelszweig an genau diesem Ort, der früher so berühmt dafür war; damals war das aromatische Harz für Tempeldienste und privaten Verbrauch weit höher geschätzt als heutzutage. Wie wir so durch die Haine mit dem weihrauchtragenden Gehölz ritten, riefen wir uns die gerissenen alten Legenden ins Gedächtnis von Drachen, die diese Bäume bewachen, und von den todbringenden Ausdünstungen, die sie aussströmen; denn die alten sabäischen Weihrauchhändler hüteten ihre Schätze eifersüchtig und wollten jede Konkurrenz durch grausige Geschichten ausschalten.
   Von Kap Risut zogen wir landeinwärts an den Fuß der Berge und verbrachten mehrere Tage mit dem Besuch von zauberhaften kleinen Schluchten, die sich nicht weit in die Berge hinein erstrecken. Man kann aber die Höhen darüber nicht erreichen, denn die Felswände sind steil und unpassierbar. Es sind wunderschöne kleine Stellen, mit fließenden Bächen und Farnen und Bäumen, Binsen, Schilf und tropischer Vegetation. Beduinenfamilien leben in den Höhlen ringsum; sie finden hier reichlich Futter für ihre Tiere.
   Ursprünglich war abgemacht gewesen, daß Scheich Sayel uns durch ein weiter westlich gelegenes Tal in die Berge führen würde, aber aus Gründen, die wir nie erfahren werden, weigerte er sich. Manche meinten, der Stamm der Mahri mache Probleme, andere meinten, der Weg sei zu schwierig für Kamele. Wie dem auch sei, wir mußten ein Stück des Weges zurück und am Fuß der Berge entlangreiten und fanden uns nicht besonders weit weg von AI Hasa wieder.
    Am nächsten Tag kamen wir durch das Wadi Ghersid in die Berge, auf dem üblichen Weg der Gara von der Küste ins Binnenland. Der Zugang zu dieser Schlucht ist etwa neun Meilen vom Schloß des Wali entfernt, und als wir sie betraten, wartete eine große Überraschung auf uns. Statt der sandverwehten Täler des Hadramaut, trocken bis auf die mit sehr viel Mühe bewässerten Felder, kamen wir hier in ein Tal mit reichster tropischer Vegetation. Gerade über unserem zweiten Lagerplatz trat Wasser aus drei Felslöchern in der Bergflanke aus und bildet einen kleinen, ganz besonders schönen See, der reichlich mit Enten und anderen Wasservögeln bestückt war; wir fotografierten sie. Von den Felsen um den See herum hängen Schlingpflanzen, und es wachsen Frauenhaar und andere Farnarten; riesige Feigenbäume blockieren das Tal, deren untere Aste voll aller möglichen Überbleibsel hängen; daran sieht man, daß diese Schlucht während der Regenzeit ein reißender Strom sein muß. Limonen, Kaktus, Aloe und Mimosen bilden ringsum einen entzückenden Wald, und die Berghänge oberhalb des Sees sind fast bis zum Gipfel mit Bäumen bedeckt. Eine solche Ansicht hätten wir in Arabien niemals erwartet. Sie erinnerte uns mehr an die saftigen Täler, die auf das Hochland von Abessinien führen, und wir werden nie den höchst erfreulichen Abend vergessen, den wir am See von Ghersid verbrachten.
   Höchstwahrscheinlich hat die Kenntnis von Tälern wie diesem schon in der Antike Arabiens Ruf für den Reichtum an Pflanzen begründet. Textstellen bei Theophrast, Strabo, Athenaeus berichten davon, und mehr noch vom Reichtum an aromatischen Pflanzen. Aristoteles nennt es Arabia euodes, das wohlduftende, und von Plinius haben wir sogar eine Liste von Bäumen und Kräutern, die in Arabien wachsen; es ist sehr wahrscheinlich, daß die Weihrauchhändler, die geschäftlich nach Dhofar kamen, diese Täler kannten und verständlicherweise farbenprächtige Berichte über ihre Fruchtbarkeit mitbrachten und damit Arabien einen Ruf verschafften, den man für übertrieben gehalten hat.
   Am nächsten Tag zogen wir weiter durch die Schlucht von Ghersid, kletterten höher und höher durch dichten Wald, der oft für die Kamelreiter gefährlich war und uns des öfteren zum Absteigen zwang. Süß duftender weißer Jasmin hing in Girlanden von den Bäumen, und die Luft war vom Wohlgeruch vieler Blüten erfüllt. Über uns türmten sich graue Felsen, und die Berghänge waren zu beiden Seiten mit Bäumen bedeckt.
    Noch einmal lagerten wir in diesem lieblichen Tal, fast an seinem Ende, und am folgenden Morgen begannen wir den Aufstieg auf einem holprigen Pfad, der für Kamele äußerst schwierig zu begehen war. Der höchste Punkt dieser Bergkette liegt nicht über 1.000 m, unser Lager an diesem Abend lag bei 870 m Höhe. Von oben sieht das Land sehr merkwürdig aus. In Richtung Meer sind die Berge von mehreren tiefen Schluchten ähnlich dem Wadi Ghersid eingeschnitten, die mit dichtem Grün bedeckt sind. Bis zu den Gipfeln sind sie mit Gras und Baumgruppen bedeckt. Da jetzt Trockenzeit war, war das Gras zu Heu geworden, das einzubringen sich aber niemand die Mühe machte. Hier und dort standen in der braunen Weite einzelne Gruppen von Feigenbäumen, von denen wir drei Arten bemerkten. Das dichte Laub dieser Bäume gibt der Landschaft das Aussehen eines Parks; darin verstreut sah man viele Herden von Kamelen, Ziegen und Kühen grasen, die den Garas gehörten. Immer wieder kamen wir zu ihren Wohnplätzen, die aus tiefen Höhlen am Berg bestehen und in denen Mensch und Vieh in glücklicher Eintracht zusammenleben. Kälber und Kinder werden in Vertiefungen in den Felsen gehalten, die Milch wird durch Hin- und Herbewegen eines Lederbalgs an einem Dreibein zu Butter gemacht, und alle ihre Gerätschaften sind von der einfachsten Art.
   Die Garafrauen kamen uns ausgesprochen schüchtern und zurückhaltend vor - so ganz anders als die dreisten Weibsbilder des Hadramaut, die uns damit aufregten, in unser Zelt zu glotzen. Wenn wir näherkamen, verschwanden sie wie scheue Gazellen. Sie haben nur ärmlichen Schmuck - silberne Halsketten, Armreifen, Ringe für Nase und Zehen. Sie finden es schön, ihre Augenbrauen mit Antimon so anzumalen, daß sie über der Nase zusammenstoßen, und kleben sich etwas Schwarzes, das ähnlich aussieht wie Schusterpech, über die Nase auf die Stirn. Sie sind sehr klein und ähneln Japanerinnen. Sie bedecken ihr Gesicht nicht und tragen dünne Gewänder aus dunkelblauer, selbstgesponnener Baumwolle.
    Nachdem wir zwei Tage durch das Hochland gezogen waren, entschlossen wir uns, für zwei Nächte haltzumachen. Eigentlich wollten wir rasten, da wir nun schon viele Tage in Folge unterwegs gewesen waren. Aber dann brach ein schrecklicher Sturm vom Norden los, der zwei Tage und Nächte anhielt; Ausruhen kam deshalb nicht in Frage. Unter Schwierigkeiten gelang es uns, die Zelte aufrecht zu halten, und die Kälte war sehr anstrengend. Unsere Beduinen lagen in unbeweglichen Haufen um die Lagerfeuer, und alle im Lager fühlten sich richtig elend.
   Von dieser Stelle aus konnten wir jedoch ausgezeichnete Beobachtungen machen und ein deutliches Bild der Gara-Berge gewinnen. Die Oasenhaftigkeit dieser Berge ist hier sehr deutlich. Ringsum ist nur Wüste. Mit dem sanften Abfall nach Norden wird das Land zunehmend trockener, der Bewuchs wird immer kümmerlicher, bis die Berge endlich in der gelben Nedjd-Wüste verlaufen, die sich so weit erstreckt, wie das Auge reicht, und am Horizont in einer blauen Linie endet wie das Meer.
   Scheich Sayel hatte uns versprochen, uns über die Grenzen der Gara in die Nedjd zu führen, wenn wir das wollten; aber da uns das erheblich aufgehalten hätte und Verhandlungen mit den Scheichs der Nedjd-Beduinen nötig gewesen wären und da wir von unserem ausgezeichneten Aussichtspunkt feststellen konnten, daß uns das Land absolut nichts Interessantes zu bieten hatte, entschieden wir uns gegen diese Route.
    Wir verließen unseren dem Wetter ausgesetzten und namenlosen Lagerplatz in Richtung Nordwest und zogen weiter durch parkähnliches Gelände, über Hektar und Hektar des schönsten Heus, aus dem niemand Nutzen zog. Es ist sehr schlüpfrig, und Kamele können schlecht darauf Fuß fassen. Mehrere Stürze waren die Folge, und deshalb mußte ein Gutteil der Strecke zu Fuß zurückgelegt werden.
   Am zweiten Tag begannen wir den Wiederabstieg auf einem miserablen Pfad, und 500 m tiefer kamen wir zu einer bemerkenswerten Höhle, gerade oberhalb der Ebene und nur 15 bis 20 km von AI Hafa entfernt. Die Höhle erstreckt sich tief in den Berg, hängt merkwürdigerweise voller Stalaktiten und beherbergt die jetzt verlassenen Behausungen eines Beduinendorfes, die nur während der Regenzeit bewohnt werden. Unmittelbar unter dieser Höhle im Wadi Nefas befinden sich die Reste einer weitläufigen sabäischen Stadt, in deren Mitte sich ein großes natürliches Loch befindet; es ist 50 m tief und hat einen Durchmesser von etwa 16 m. Um dieses Loch herum liegen Überreste von Mauern und die Säulen eines großen Eingangstores. Wir fragten nach Einzelheiten zu dieser Stelle, aber wir bekamen nur zur Antwort, es sei der Brunnen der Additen; dieser Name fällt immer im Zusammenhang mit den Ruinen eines untergegangenen Volks. Meiner Meinung nach ist dies der Ort des Orakels, das Ptolemäus und andere erwähnen und von dem die Hauptstadt von Dhofar ihren Namen hat.
   Das Loch ähnelt sehr den tiefen natürlichen Löchern, die wir in Kilikien in Kleinasien gefunden hatten, wo sich die Orakel des Zeus von Ura befunden haben. Es liegt gerade unterhalb der großen Höhle, die ich schon erwähnt habe, und als ungewöhnliche natürliche Erscheinung muß es bei den Alten Ehrfurcht und Scheu hervorgerufen haben. Wie die zerstörten Mauern und Eingänge zeigen, war es ein heiliger Platz. Außerdem liegt es nur eine halbe Tagesreise von der Stadt Mansura oder Zufar entfernt, wo, wie Ibn Battuta etwas geringschätzig anmerkt, »AI Akhaf liegt, die Heimstatt der Additen«. Auf der Ebene von Dhofar gibt es augenscheinlich keine andere Stelle, an der ein Orakel gelegen haben könnte. Vielleicht wird sich eines Tages ein unternehmungslustiger Archäologe dieser Ruinen annehmen und ihren Namen anhand von Inschriften bestätigen.
   Von hier aus ritten wir über die Ebene etwa 15 km bis zur Küste, zu einer Stelle, die Rizat heißt, und waren über Nacht beim Wali Suleiman in einem Haus zu Gast, das er sich hier, etwa 20 km von seinem Hauptwohnsitz in AI Hafa entfernt, gebaut hat.

Bent, James Theodore
Exploration of the Frankincense Country, Southern Arabia
Geographical Society 1895
Übersetzung: U. Keller

Abgedruckt in:
Keller, Ulrike (Hg.)
Reisende in Arabien, 25 v. Chr. bis 2000 n. Chr.
Wien 2002

Reiseliteratur weltweit - Geschichten rund um den Globus. Erlebtes und Überliefertes aus allen Teilen der Welt. Entdecker – Forscher – Abenteurer. Augenzeugenberichte aus drei Jahrtausenden. Die Sammlung wird laufend erweitert – Lesen Sie mal wieder rein!