Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1840 - Charles Wilkes
Über den Trepang
Fidschi

Dieses Tier gehört zur Gattung Holothuria und findet zubereitet einen guten Absatz auf den chinesischen Märkten, wo es zur Bereitung einer üppigen Suppe verwendet wird. Es gibt verschiedenen Arten von Trepang, darunter einige von entschieden besserer Qualität; man unterscheidet sie durch Gestalt und Farbe voneinander; hauptsächlich aber durch letztere. Eine der schlechtern Arten ist von schwarzbrauner Farbe, rührt sich sanft an und lässt einen roten Fleck auf den Händen zurück, eine andere Art ist grau und gefleckt, eine dritte ist groß und dunkelgelb, mit roter Haut und Tuberkeln an der Seite. Die zweite Art wird von den Eingeborenen häufig roh gegessen. Wertvolle Arten gibt es sechs; die eine von dunkelroter Farbe; eine zweite von schwarzer, zwei bis neun Zoll lang, deren Haut durch das Trocken kraus wird; eine dritte Art ist groß und von dunkelgrauer Farbe, die sich durch das Trocken in eine schmutziges Weiß verwandelt; die vierte gleicht der dritten, mit Ausnahme der Farbe, welche schwarzbraun ist. Die fünfte hat eine schmutzig weiße Farbe, mit Tuberkeln an der Seite, und behält beim Trocknen ihre Farbe bei; die sechste ist rot, stachlig, von anderer Gestalt und größer als die übrigen; beim Trocknen wird sie schwarz.
    Die geschätztesten Arten findet man an den Riffen, in Wasser von einem bis zwei Faden Tiefe, wo man sie durch Untertauchen fängt. Die schlechteren Arten findet man auf den Riffen, wenn sie trocken liegen oder nur wenig mit Wasser bedeckt sind, wo sie sodann von den Eingeborenen aufgelesen werden. Die Eingeborenen fischen auch den Trepang an rauhen Korallenfelsen bei dem Schein des Mondes oder von Fackeln, denn das Tier hält sich den Tag über im Sand oder in den Felsen versteckt und kommt nur bei Nacht heraus um seine Nahrung zu suchen, wo es dann in großer Menge gefangen wird. Die Bewegungen des Tieres gleichen denen der Raupe; es nährt sich durch Saugen, wobei es viele kleine Korallenstücke und Muscheln mit verschluckt.
    Kapitän Eagleston sagte, daß sich der Trepang am zahlreichsten auf Riffen finde, welche aus Sand und Korallen bestehen. Das Tier ist selten auf auf der südlichen Seite dieser Inseln, und die ergiebigsten Fischereien befinden sich an der nördlichen Seite, namentlich von Vanua-levu zwischen Anganga und Druau. Hier ist die Art, welche kraus wird, am häufigsten. An einigen Orten vermehrt sich das Tier sehr schnell. Dagegen gibt es viele Plätze, wo man, obwohl Jahrzehnte verflossen, seit man daselbst nicht mehr gefischt hat, noch keine findet.
    Der Trepang erfordert ein großes Gebäude, um ihn darin zu trocknen. Das von Kapitän Eagleston auf de Insel Tavea errichtete ist 85 Fuß lang, etwa 15 oder 20 Fuß breit und beinahe ebenso hoch. Das Dach hat einen doppelten Giebel und fällt auf jeder Seite über eine Rinne herab, welche ungefähr 5 Fuß vom Boden entfernt ist. Das Dach ist wohlgedeckt und muß vollkommen wasserdicht sein. Gewöhnlich hat man drei Türen, eine an jedem Ende und eine in der Mitte. In dem Gebäude läuft der ganzen Länge nach ein doppeltes Gerüst durch, über welches ein Rohr gelegt ist. Von dem Bau dieses Gerüstes hängt großenteils der Erfolg des Geschäftes ab. Es muß auf festen Pfosten errichtet sein, die untere Reihe ist etwa 4 Fuß über dem Boden und die zweite 2 bis 3 Fuß höher. Ihre Breite beträgt 12 bis 14 Fuß. Auf die breiten Rohre, mit welchen das Gerüst überdeckt wird, legt man das Fischgut. Unter dem Gerüst wird  der ganzen Länge nach einen Graben gezogen, und darin von den Eingeborenen unter der Leitung eines der Steuermänner ein schwaches Feuer unterhalten. Die aus dem Graben gewonnene Erde wird an den Seiten des Hauses aufgeschichtet, welche wenigstens 2 bis 3 Fuß von dem Gerüst entfernt sein müssen, zur Verhütung von Feuer, welches sehr zu fürchten ist, nicht allein wegen der Sorglosigkeit, sondern wegen der Böswilligkeit der Eingeborenen. Zur weiteren Vorsicht stellt man mit Wasser gefüllte Fässer in einer Entfernung von 8 Fuß an den Gerüsten entlang auf. Wenn man das Haus eine Woche lang gebraucht hat, so fängt es leicht Feuer, da dann das Holzwerk durchaus trocken ist. In solchem Falle ist es schwer möglich, das Haus oder einen Teil seines Inhaltes zu retten. Man muß deshalb Tag und Nacht beständig Wache halten, und man braucht oft sieben Mann zu dem gewöhnlichen Geschäft in einem solchen Gebäude.
    Man lässt die Feuer in 24 Stunden gewöhnlich einmal ausgehen und wählt dazu den Tagesanbruch. Die Fische werden nun von dem unteren auf das obere Gerüst gebracht und das untere mit frischer Ladung versehen. Die Arbeit ist der Hitze des Gerüsts wegen hart und beschwerlich, und es werden dazu gewöhnlich 50 bis 60 Eingeborene verwendet. Brennholz ist, wie man sieht, ein wichtiger Artikel bei diesem Geschäft, da jede Schicht Trepang ein halbes Klafter Holz zum Trocknen erfordert. Man verschafft sich dasselbe von den Häuptlingen, welche sich verbindlich machen, gegen entsprechende Entschädigung eine gewisse Quantität davon zu liefern. Man kauft manchmal 20 Klafter für eine Muskete. Beim Trocknen ist es wichtig, die Türen verschlossen zu halten, während das Feuer brennt. Viel hängt auch von der Lage des Hauses ab, dessen Langseite gegen die herrschenden Winde rechtwinklig stehen sollte. Auch die Gerüste sollten zunächst der Leeseite des Hauses stehen.
    Bevor man mit der Fischerei beginnt, sichert man sich die Dienste eines Häuptlings, welcher den Bau des Hauses besorgt, und seine Untergebenen zum Fang des Trepangs befehligt. Der Preis für ein Oxhoft der Tiere ist gewöhnlich ein Walfischzahn. Auch zahlt man mit Flinten, Pulver, Kugeln, roter und anderer Farbe, Äxten, Beilen, Messern, Scheren, Meißeln, Hebeleisen, Hohlmeißeln, Fischangeln, Knöpfen, kleinen Glaswaren, Feuersteinen, Baumwolltuch, Kisten, Koffern u.s.w. Von den Knöpfen haben die blauen den Vorzug, und Baumwolltuch von derselben Farbe ist am meisten begehrt. Für eine Muskete erhielt man ein 130 bis 160 Gallonen haltenden Faß zehnmal gefüllt. Wenn die Tiere an Land gebracht werden, füllt man sie in Behälter, wo sie bis zum anderen Tage bleiben. Diese Behälter macht man, indem man einen Graben, etwa 2 Fuß tief, dessen Seiten mit Kokosnußholz ausgeschlagen werden, im Boden zieht und so groß macht, daß er 40 bis 50 Oxhofte faßt. Ist die Fischerei ergiebig, so braucht man zwei solche Gräben.
    In die Nähe dieser Behälter verlegt man auch das Handelshausund den Marktstand. Im ersten bewahrt man die Gegenstände auf, mit welchen man die Fische bezahlen will; im zweiten sitzt der Offizier nebst einem vertrauten und wachsamen Matrosen. Der Stand ist erhöht, so daß die darin befindlichen Personen alles wahrnehmen könne, was um sie herum vorgeht. Alle Fische werden in den Behälter gebracht, ehe sie bezahlt sind.
    In diesen Behältern unterliegen die Fische der Operation der Reinigung oder des Ausnehmens ihrer Eingeweide. Diese sehen bei einigen Arten aus wie Bast, bei anderen gleichen sie Würmern und sind so lang wie die Tiere selbst. Die größeren Arten werden am Bauch 4 bis 5 Zoll lang aufgeschlitzt, was sie schneller trocknen macht; allein man muß sich dabei in Acht nehmen, dass man nicht zu tief hinein schneidet, da der Fisch in diesem Fall ganz auseinanderfallen würde, was seinen Wert auf dem Markt sehr vermindert. Wenn die Fische aus den Behältern genommen und gereinigt werden, bringt man sie in große Kessel, von denen jedes Etablissement fünf oder sechs hat, und die 150 Gallonen enthalten. Sie werden in einer Reihe, in rohe Steine- oder Lehmmauern etwas zwei Fuß voneinander entfernt gebaut, so dass zwischen ihnen noch ein hinlänglicher Raum für ein großes Feuer ist. Die Arbeiter stehen auf der Mauer, um die Kessel zu leeren und zu füllen und haben eine Platte bei der Hand, auf welche der Fisch gebracht wird, nachdem er gekocht ist. Zu jedem Kessel braucht man zwei Mann, welche einander ablösen, so daß das Geschäft Tag und Nacht fortgeht. Sie sind mit Schaumlöffeln, Schaufeln, Feuerhaken und Hauen versehen. Man tut kein Wasser in die Kessel, denn die Fische haben genug Nässe in sich, um sie vor dem Anbrennen zu schützen. Das Kochen währt 25 bis 50 Minuten, und der Fisch bleibt dann eine Stunde auf der Platte, um zu trocknen, worauf er zu dem Hause gebracht und auf das untere Gerüst vier Zoll tief gelegt wird. Von da wird er, wie bereits erwähnt, nach 24 Stunden weggenommen und auf das obere Gerüst gelegt, wo er in drei oder vier Tagen vollkommen trocknet. Bevor man ihn an Bord schafft, wird er sorgfältig gepickt, um die noch feuchten herauszufinden, welche noch einmal in das Trockenhaus kommen. Dann schüttet man ihn in Haufen, wobei er so hart und trocken sein muß wie Holz. Man hat große Sorgfalt anzuwenden, um ihn gegen Nässe zu bewahren. Beim Trocknungsprozeß verliert er zwei Dritteile seines Gewichts und gleicht einer geräucherten Wurst. In diesem Zustand wird er piculweise verkauft für den Preis von 25 Dollars.
    Kapitän Eagleston hatte in einem Zeitraum von sieben Monaten und mit einer höchst geringen Auslage eine Ladung von 1200 Piculs im Wert von 25.000 Dollars gesammelt. Die Ausrüstung für eine solche Reise ist gering, allein das Risiko, das man dabei läuft, von einiger Bedeutung, da man auf Schiffe, welche nach der Fidschi-Gruppe gehen, keine Assekuranz bekommt, und nicht wenig Tätigkeit und Unternehmungsgeist gehören dazu, diesen Handel  zu führen. Um auf Erfolg des Unternehmens rechnen zu können, muß man den Charakter der Eingeborenen durch und durch kennen, und es bedarf seitens des Schiffskapitäns aller nur möglichen Wachsamkeit, um einen Überfall zu verhindern, und der größten Vorsicht, um Zwistigkeiten zu vermeiden. Und selbst bei diesen Eigenschaften noch kann er sich und seine Mannschaft oft in eine sehr gefährliche Lage versetzt sehen. Um diese Gefahren nach Kräften zu vermeiden, darf man kein großes Kanu am Schiff längere Zeit beilegen lassen, und meistens wird ein Häuptling von hohem Range als Geisel an Bord behalten. Wenn diese Vorsichtsmaßregeln versäumt wurden, fanden meist Unglücksfälle statt.  
    Der Trepang wird manchmal nach Kanton ausgeführt, meistens aber nach Manila, von wo aus man ihn dann nach China verschifft.

Wilkes, Charles
Die Entdeckungsexpedition der Vereinigten Staaten in den Jahren 1838 bis 1842
Band 2, Stuttgart und Tübingen 1850

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