Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1773 - Philip Nichols
Mit Francis Drake in Panama
Die zweite Schatzkarawane vor Nombre de Dios

Als wir uns bis auf eine Meile dem Karawanenweg genähert hatten, blieben wir über Nacht in ganz still an einem sehr bequemen Ort und erholten uns. Wir konnten die vielen Zimmerleute an den Schiffen arbeiten hören, sie arbeiten gewöhnlich bei Nacht, weil es in Nombre de Dios so heiß ist. Wir würden auch die Maultiere von Panama kommen hören, weil die Straße so hart ist. Am nächsten Morgen hörten wir eine große Anzahl Glocken. Die Cimarrones freuten sich so, als ob ihnen überhaupt nichts Besseres passieren könnte nach der vorherigen Enttäuschung Jetzt versicherten uns alle, wir würden mehr Gold und Silber gewinnen, als wir je wegtragen könnten, und so ist es ja auch gekommen.
    Es kamen drei Karawanen, eine mit 50, zwei mit je 70 Maultieren, von denen jedes 200 Pfund Silber trug, alles in allem fast 30 Tonnen. Wir machten uns bereit, bewegten uns zur Straße, stellten fest, welche Ladung die Tiere trugen, und hielten die Maultiere an den Zügeln fest, so dass alle stehen blieben und sich hinlegten, wie sie es immer tun.
    Diese drei Karawanen wurden von etwa 45 Soldaten begleitet, 15 bei jeder. Das führte dazu, dass für eine gewisse Zeit Kugeln und Pfeile hin und her flogen. In diesem Kampf wurde der französische Kapitän schwer verwundet, Hayle erhielt einen Bauchschuss und ein Cimarron wurde getötet. Aber schließlich hielten es die Soldaten für das Beste, sich anderweitig nach Hilfe umzusehen. In der Zwischenzeit mühten wir uns ab, den Maultieren, die am schwersten beladen waren, ihre Last zu erleichtern. Müde wie wir waren, begnügten wir uns mit einigen Barren und Platten Gold. Wir vergruben etwa 15 Tonnen Silber, so viel wir tragen konnten, zum Teil in den Bauten der großen Landkrabben. Zum Teil unter umgestürzten Bäumen, und teilweise auch unter Sand und Kies im Bett eines seichten Flusses.
    Nachdem wir uns damit etwa zwei Stunden beschäftigt und alles untergebracht hatten und bereit waren für den Rückmarsch auf demselben Weg, den wir gekommen waren, hörten wir Reiter und Fußvolk kommen, wie es schien, zu den Tieren, denn sie folgten uns nicht, sobald wir wieder im Wald waren.
    Dort wollte der französische Kapitän, der wegen seiner Verwundung nicht weiter marschieren konnte, in der Hoffnung auf Besserung ein paar Tage rasten.
    Nachdem wir zwei Meilen marschiert waren, bemerkten die französischen Soldaten, dass einer der Ihren fehlte. Es wurde nachgeforscht, ob er auch umgekommen war. Es stellte sich heraus, dass er reichlich Wein getrunken und sich mit Beute überladen hatte, hastig voraus gelaufen war und sich im Wald verirrt hatte. Später erfuhren wir, dass die Spanier ihn noch an diesem Abend gefangen genommen hatten. Unter der Folter verriet er, wo wir den Schatz versteckt hatten.

Nichols, Philip
Sir Francis Drake Reuiued
London 1626
Übersetzung: U Keller

Reiseliteratur weltweit - Geschichten rund um den Globus. Erlebtes und Überliefertes aus allen Teilen der Welt. Entdecker – Forscher – Abenteurer. Augenzeugenberichte aus drei Jahrtausenden. Die Sammlung wird laufend erweitert – Lesen Sie mal wieder rein!