Reiseliteratur weltweit

Geschichten rund um den Globus

1670 - Olfert Dapper
Backen, Weben und Zeltbau in Tunis

Das Königreich Tunis, welches jetzt dem Großtürken unterworfen ist, begriff ehemals die Landschaften Constantine, Bugien, Tripol in der Barbarei und Essab und also fast das ganz kleine Afriken der Alten, samt Karthago und dem alten Numidien mit noch anderen Ländern, welche sich über die 120 Meilen längs der See hin erstreckten. Aber jetzt ist das größte Teil von Bugien und Constantine dem Königreiche Algier durch die Waffen einverleibt, und Tunis von Tripol, welches durch einen sonderlichen Türkischen Pascha beherrscht wird, also auch die Landschaft Essab von seinem Leibe abgesondert. Und also hat Tunis fast nichts mehr behalten, als was vor Alters darunter gehörte.
   Das Brot, welches man zu Tunis ißt, ist meist Weizenbrot, wiewohl der gemeine Mann sich mit Gerstenbrot behilft. Es ist sehr gut, obschon die Blume samt der Kleie dazu genommen wird. Man bearbeitet es auch sehr wohl und knetet und schlägt vielmehr den Teig mit einer Stoßkeule: dazu man in Europa Hände und Füße zu gebrauchen pflegt. Die Kaufleute, Handwerker und fast alle Einwohner zu Tunis nützen zu ihrer gewöhnlichen Speise ein sonderliches Gericht, das sie Besis nennen und von Gerstenmehl mit Wasser, zu einem Brei oder einer Pappe machen. Sie essen es entweder roh und ohne Kauen oder mit Baumöl oder Limonen- oder Pomeranzensaft vermischt. Zur Gerste, davon dieser Brei gemacht wird, hat man einen sonderlichen Markt, da sonst nichts anderes zu kaufen ist. Sonst essen sie auch Fleisch, meistenteils Lammfleisch, sonderlich im Frühling. Hierbei haben sie eine Speise, welche wohl Lachis heißen möchte. Sie nennen sie Lasis. Denn wenn jemand zwei Lot davon ißt, so beginnt er so zu lachen und zu kurzweilen, ja wird so hungrig, daß er wohl soviel als drei Menschen aufessen kann. Zudem erweckt sie auch die Lust zum Beischlafen und hilft dem Manne tapfer zu Pferde. Das wissen die guten Weiber wohl: darum setzen sie ihren Männern diese Kost um soviel öfter vor.
   In Tunis hat man allerlei Handwerke: vor allem werden hier viel Tücher gemacht, welche sehr zart und doch auch stark waren, nachdem man den Draht fest gedreht oder gesponnen: und dieses taten die Frauen auf folgende Weise. Sie saßen oder standen an einem erhobenen Orte oder auf einem Boden. Von da ließen sie die Spille durch ein Fenster oder Loch herabdrehen auf einen niedrigen Ort, also daß das Gewicht der Spille den Draht sehr gleich machte. Man hat auch hier viel Kaufleute, Arzneihändler, Arzneibereiter, Bildhauer und dergleichen Leute.
   Die Bergleute auf Zagoan, die in Hütten oder Gezelten leben, ernähren sich mit Vieh. Auf den Bergen an der Südseite der Stadt Tunis halten sich etliche Mohren unter Zelten auf: derer 100 oder 200 beieinander stehen. Hiermit schwärmen sie bald hier-, bald dorthin, eine frische Weide für ihr Vieh zu haben. Diese Hütten oder Zelte stehen ordentlich nebeneinander aufgeschlagen, und man sieht enge Gäßlein durchhin gehen; auch in der Mitte ein großes Feld, wo das Vieh weidet. Ja die äußersten stehen so dicht aneinander, daß sie dem Bezeltdorfe gleichsam zur Mauer dienen. Und man hat nicht mehr als zwei Eingänge: einen für das Vieh und den anderen für die Menschen: welche des Nachts, aus Furcht vor den Löwen und anderen wilden Tieren, mit Bäumen und Dornen vermacht werden.

Dapper, Olfert
Umbständliche und Eigentliche Beschreibung Afrikas
Amsterdam 1670; Nachdruck 1964

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